Neue Platten

Absynthe Minded - Absynthe Minded

Genre: IndiePop
Label: AZ/Vertigo (Universal France)
CD, VÖ: - 15.10.2010

Belgien ist ja bestenfalls ein Schwellenland, was gut gemachte Popmusik angeht. Nur per Zufall liefen uns bei einem Festival zum Beispiel mal die Jungs und Mädels von Zita Swoon über den Weg und das ist in diesem speziellen Fall schon mal eine gute Referenz, denn Absynthe Minded findet man in einer ähnlichen Schublade und die Bands sind auch freundschaftlich verbunden. Absynthe Minded präsentieren eine kluge Mischung aus jugendlichem IndiePop, Swingjazz, Folkrock und Tanztee-Ambiente und das kann durchaus dazu führen, den Stimmungs­quotienten im Nu von mau bis auf high zu schrauben. Denn die Songwriter-Qualitäten des belgischen Quintets unter der Leitung von Bert Ostyn haben es wirklich in sich. Unaufdringlich aber bestimmt arbeitet sich beispielsweise der Track „Envoi” ins oberste Gehinstübchen, nicht zuletzt dank einer gelungenen Melodieführung und dem schwer an Jimi Hendrix’ „All Along the Watchtower” erinnerndem Intro. Aber auch alle weiteren Songs verströmen eine kuschelige semi-akustik-Atmosphäre - der Violine, dem Kontrabass, dem Klavier und dem Akkordeon sei’s gedankt. Aber auch die von Ostyn gespielt Dire Straits-Gitarre passt bestens in die Szenerie einer unaufgeregten Pop-Band, die übrigens in den Benelux-Staaten bereits bekannt ist, wie ein bunter Hund. Je weiter man sich vorarbeitet auf diesem Album, desto mehr gibt es zu entdecken: bluesähnliche Balladen, schrammeliger Trash-Pop, Trompeten-Soli und mit „Multiple Choice” sogar einen halbwegs experimentellen Track, der sich dann unmerklich zu einem kribbeligen Gänsehaut­brecher entwickelt. Und natürlich nicht zu vergessen den herzergreifenden Bonus-Track „My Heroics, Part One”, der ürsprünglich von einem Vorgänger-Album stammt. Insofern empfiehlt es sich auf jeden Fall, nach der Original-Benelux-Version Ausschau zu halten, denn die deutsche Ausgabe ist leider arg verstümmelt.