Neue Platten

Golden Beirut - (V. A.)

Genre: Indie
Label: Outhere
CD, VÖ: - 30.08.2011

Auch wenn diese Compilation vom Goldenen Beirut handelt, was früher einmal unter dem Label „Paris des Nahen Ostens“ lief, wird man diesen 12-teiligen Soundtrack wohl kaum jemals beim Libanesen um die Ecke hören, denn da gibt’s im besten Fall öligen Araber-Pop oder traditionelle Bauchtanzmusik, um dem Gast Taboulé, Hummus, Shawarma oder Falafel schmack­hafter zu machen. Was man auf dieser CD serviert bekommt, ist der Sound aus dem libanesischen Untergrund, wie er sich in den letzten Jahren langsam aber sicher manifestiert hat. Und der ist in Beirut und Umgebung dank gut vernetzter Kommunikationskanäle fast genauso illuster wie in anderen multikulturellen Metropolen auch, Bürgerkrieg hin oder her. So überrascht es nicht, wenn sich auf diesem Album Indierock, HipHop, Elektro und neo-orientalische Beats die Klinke in die Hand geben. Ausge­dacht hat sich diesen musikalischen Querschnitt der Schweizer Journalist und Musik­ethno­loge Thomas Burkhalter, der auch die Internetplatform www.norient.com betreibt, ein Independent-Netzwerk für lokale und globale Soundscapes. Burkhalter stellt dort nicht nur im allgemeinen, sondern auch auf dieser CD im speziellen kulturelle Nischen und deren Bezug zur politischen Realität zur Debatte. Ein beschlagener Mann also. Und einer, der auch noch Ahnung von Musik hat. Die „New Sounds from Lebanon” jedenfalls gehören zur Sorte „hörenswert”. Nicht nur weil hier mal eine ganz andere Sichtweise des dortigen Alltags ans Licht der Öffentlichkeit kommt, sondern weil uns hier eine interessante Schnitt­menge aus Ost und West geboten wird, die vielleicht sogar noch etwas origineller ist, als die von Tel Aviv. Die alternative Musikszene Beiruts hat jedenfalls einiges zu bieten: Postpunk, Elektro-Sounds, orientalisches Lokalkolorit, französisch-libanesischer HipHop oder Folkrock. Wir erleben hier quasi einen Tag der Offenen Klubtür in Kurzfassung. Und lernen beim genauen Hinhören eine stille Lektion, warum der Libanon heute so und nicht anders ist. In der Jugend liegt die Kraft und die Hoffnung. Man höre und staune.

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