Neue Platten

Nils Wogram & Nostalgia - Sturm und Drang

Genre: Jazz
Label: Nwog Records (JaKla)
CD, VÖ: - 01.09.2011

Auch als jazzender Vollprofi wird man scheinbar noch von Sturm- und Drang-Schüben geschüttelt. Nils Wograms Dreierprojekt „Nostaligia” ist so ein Fall. Zusammen mit Florian Ross (Hammond-Orgel) und Dejan Terzic (Schlagzeug) drängt es die Mannen in Richtung Klubambiente. Dort wo der Jazz in den Untergrund geht, wo DJs ihre Rare-Groove-Schlachten schlagen, der Tanzflur bebt und andereseits sich aber auch die Chiller lümmeln, dort sähen Nils und Co am liebsten dieses Album angesiedelt. Und in der Tat, manches spricht dafür. Zum Beispiel der Opener „Funky Neighbourhood”, der Tänzer zum Freestylen inspiriert und ein bißchen nach Medeski, Martin und Wood klingt. Oder aber „Fundamentals”, wo sich alle Heißgetanzten erst mal 10 Minuten verschnaufen dürfen. Das Trio gibt Gas und bremst ab, ganz nach Belieben. Dynamik steht gegen innere Einkehr. Allerdings kann es auch vorkommen, dass man als Klubgänger einigermaßen ins Schleudern kommt. Folgt man zum Beispiel Wograms Posaunen-Solo auf „Now”, kann es einem leicht schwindelig werden vor lauter Exaltiertheit. Ein wahrer Klub-Abtörner und eher was für Jazz-Extremisten. Dennoch: „Sturm und Drang” ist ein spektakuläres bis fettes Jazz-Album, nicht zuletzt auch dank der vorzüglichen Arbeit des Orglers Florian Ross. Endlich mal wieder ein Hammond-Sound, der einen vom Hocker reißt und eine Barbara Dennerlein ganz schön alt aussehen läßt. Das Finale-Furioso passt dann wieder so ganz in die Nonkonformisten-Ecke: „Swing em home” vereint Reggae und Satchmo-Swing unter einem Hut und würde selbst einen Frank Zappa ergötzen.

www.nilswogram.com

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