Neue Platten

Vein - Plays Porgy & Bess

Genre: Jazz
Label: Unit Records (JaKla/Alive)
CD, VÖ: - 09.09.2011

Jazzmusiker sind für jede Abwechslung dankbar, die sie aus den üblichen stereo­typen Einordungsversuchen entlassen. Jede Idee, jeder Einfall „mal was ganz anderes zu machen” wird dankbar angenommen, um plattgetretene Pfade zu verlassen. So haben sich auch die Musiker des Schweizer Piano-Trios Vein mit Enthusiasmus und Ehrgeiz in ein Projekt gekniet, das zwar schon über ein Jahrhundert auf dem Buckel hat, aber in dieser Art und Weise wohl noch nie umgesetzt worden ist. Man hat sich Gershwins Oper „Porgy und Bess” vorgenommen und darin nach Herzenslust heruminterpretiert. Wie zu vermuten, ist vom eigentlichen Songzyklus letztendlich kaum mehr etwas Wiedererkennbares übrig geblieben, dafür hat man sich eine Stunde lang improvisationsmäßig nach allen Regeln des Jazz ausgetobt. Dabei wurde strengstens darauf geachtet, die handelsübliche Etikettierung eines Piano-Trios zu durchbrechen, die in der Regel darauf hinausläuft, dass der Pianist den Ton angibt und die beiden Kollegen ihn ergebenst sekundieren. Bei Vein allerdings gibt es keinen Primus inter Pares. Jeder steht im Mittelpunkt, jeder ist Hauptakteur. Zugute kommt den drei Musikern zudem, dass nicht jeder Jazzfan unbedingt auch ein gewiefter Kenner der Porgy-und-Bess-Materie sein muss und so fällt es bei einem Blind-Date-Hören vermutlich auch keinem groß auf, dass hinter dieser vehementen Radikal-Dynamik überall ein Gershwin steckt. Gerade noch erkennbar, weil bekannt wie ein bunter Hund, der Titel „Summertime” - diesmal ganz ohne Pathos, dafür aber hochperkussiv und eine in der Tat sehr eigenwillige Neuauflage. Und dennoch: Statt Gershwin hätte man auch Kurt Weill oder Stevie Wonder als Inspirationsaufhänger nehmen können. Das Endergebnis hätte sich wohl ähnlich angehört.

www.vein.ch