Neue Platten

Grupo Batuque - O Tempo Do Samba

Genre: Brasil
Label:Far Out Recordings (SoulFood)
CD, VÖ - 22.01.2005

Überschrift: schade, es hätte so schön sein können. Ein vielversprechendes Brasil-Album, das sich laut Platteninfo als Homage an den Samba-Beat versteht, liegt auf dem Tisch, aller Anfang tönt gut und doch schleichen sich nach und nach Zweifel ein, ob denn das gehörte auch wirklich befriedigend im Sinne von erfreulich oder gar anmachend ist. Samba an sich ist ja etwas tolles und wenn das ganze clubtauglich gemacht wird, muß das auch noch kein Grund zum Zaudern sein. Wenn aber man bei einem vermeindlichen „Dancefloor-Monster“ die ersten Sülzstreicher vernimmt, die ersten Synthie-Quietscher oder allzu nervige Keyboard-Impros durchs Ohr schrammen, wird man hellhörig, erst recht, wenn auch andere, eigentlich recht schöne Tracks mit diesen Bugs durchsetzt sind. Wer sind also die Urheber solch zweifelhaften Erfindungsreichtums? Klar: Grupo Batuques Hauptschlagader ist Ivan Conti, seines Zeichens Stammmitglied von Azymuth und gleich daneben steht Alex Malheiros vom selben Verein. Da liegt also der Hase im Pfeffer. Azymuth, ehemalige Vorreiter und Pioniere des Brasil-Funk, rennen heute dem aktuellen Zeitgeschehen etwas hinterher und das wirkt sich auch auf die Grupo Batuque aus. Aufgefangen wird das zum Teil aber wieder durch die wirklich trefflich musizierenden Restbestände der Band, wie Cidinho Moreira/Pirulito (perc), Leo Gandelman (sax), Fabiola/Claudemir De Silva (voc) oder eine fast schon Afro-Beat pustende Brass-Section. Das zum einen.
Ein weiterer Kritikpunkt: die glänzende Idee, dem Album mit 8 sogenannten Edit-Sections eine geruhsame Hördurchgängigkeit zu nehmen. Diese Interludes sind nichts anderes als Serviervorschläge für die Großkantine, kurze akustische Appetithäppchen, die mehr stören, als anregen. Das alles wäre aber halb so schlimm, hätte da nicht ein Spaßvogel (der wohlweislich im Dunklen bleibt) eine noch kreativere Idee gehabt: wir alle kennen von Flohmärkten gewisse Wecker-Modelle, die mit einem nervtötenden Beep-Ton ausgerüstet sind. Und genau der gibt diesem Album, vor allem im hinteren Teil den Rest.
Fazit: Hätte man diese völlig überflüssigen „Schmankerl” weggelassen, wär das Ding letztendlich gar nicht mal so schlecht und eine gute Mischung aus mainstream-orientiertem Brasil-Jazz-Funk und coolen Samba-Riddims.

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