Neue Platten

Nils Petter Molvær - Baboon Moon

Genre: Jazz / Elektronik
Label:Columbia (Sony Music)
CD, VÖ: - 19.09.2011

Auch so renommierte Musiker wie der norwegische Trompeter Nils Petter Molvær kämpfen mit dem Zahn der Zeit. Schließlich möchte man mit seiner Musik immer schön am Puls der Szene bleiben, sich dabei aber nicht dem wankelmütigen Zeitgeist unterordnen und etwas Geld verdienen möchte man am Ende auch noch mit seiner Kunst. Aus diesem Grund schlagen die einen stilistische Haken dass einem schwindelig werden möchte, andere - und zu denen gehört der stille Nordmann - wechseln ganz einfach mal die Mann­schaft aus und beschränken sich am Ende auf eine minimalistische Dreierkombi. Das Personal von „Hamada”, Molværs Album von 2009 war einmal. Statt dem Drummer Audun Kleive trommelt nun Erland Dahlen (bekannt von der Band Madrugada) und den mit Tinitus geschlagenen Eivind Aarset ersetzt Stian Westerhus (bekannt von Jaga Jazzist). Das Ergebnis ist ein Neustart, der sich gelohnt hat. Molvær hat sich und seine Musik mal wieder selbst neu erfunden. Sein nicht zu überhörender latenter Hang zur Cross­over­musik zwischen Elektro und Jazz ist zwar im Grunde geblieben, nur hat sich mittlerweile ein deutlicher Hang zur Melodie herauskristallisiert, der nicht selten ins Introvertierte gleitet. Sorgsam ausgetüftelte, vor sich hin driftende Sound­scapes werden ausgebreitet und verlieren sich in lyrisch anmutender Klangpoesie. Daneben aber genau so konsequent, harte ruppige bis oppulente Passagen, die aus der Postrock-Werkhalle stammen könnten. Die Oberhand behalten jedoch immer wieder die wunderbar geschichteten sphärischen Teppiche, die sowohl mit analogen wie digitalen Hilfsmittel erzeugt werden. U.a. kommen eine umfangreiche Fußpedalerie, Echogerät, Synthesizer, Harmonium, Glöckchen, eine singende Säge, Steeldrums oder verfremdete Stimmen zum Einsatz. Auf dem letzten gewaltig orchestralen Track gesellt sich dann noch die Sängerin Susanne Sundfør hinzu. Alles in allem ein beeindruckendes Gesamtkunstwerk, das mal wieder einen Quantensprung in Molværs Schaffen darstellt.

www.nilspettermolvaer.info