Neue Platten

Romengo - Kétháné

Genre: Gypsy
Label: Gryllus
CD, VÖ: - 19.09.2011

Bei der momentanen Flut an BalkanBrass-Crossover-Pop-Dancefloor-Beats (vgl. Balkan Beats Vol.3 mit einem Beitrag von Romengo) tut es ganz gut, wieder einmal ein paar geerdete, akustische und vor allem traditionelle Töne aus dem Osten Europas zu vernehmen. In Budapest ist diese fünf-köpfige Roma-Band beheimatet, die sich zur Volkserbengemeinschaft der Vlach (ungarisch Olah) zählt, eine ethnische Gruppe, die einmal aus Süd-Rumänien, der sogenannten Walachei, nach Ungarn eingewandert ist. Gypsy-Musik im allgemeinen basiert ja vor allem auf überlieferter Tradition, vereinahmt nebenher aber auch alles, was auf den großen Wanderungen aufgeschnappt und so zum Roma-Repertoire wurde. Romengo sind eine moderne Band, die sowohl Einflüsse aus dem Jazz als auch der ungarischen Folklore verarbeitet. Und das mit rein akustischen Instrumenten. Nach alter Tradition handelt es sich hierbei erst einmal um Gegenstände des täglichen Gebrauchs, die zum Musizieren umfunktioniert werden: Löffel, Milchkannen, Holz­kisten. Daneben verwenden sie aber auch Gitarre, Violine und Kontrabass und gelegentlich ein Akkordeon. Hervor­stechendes Markenzeichen von Romengo ist deren attraktive Sängerin Mónika Lakatos, die mit einer dunkel-herben Stimme gesegnet ist und das fast schon stereo­type Zigeuner­sängerinnen-Image perfekt bedient. Sinnlich von der Augen­braue bis in die Finger­spitze, hat sie das Roma-Charisma schlechthin. Flotte Tanz­lieder mit starken Perkussionsanteilen wechseln sich ab mit getragenen Stücken, wobei immer mal wieder Einflüsse der spanischen Flamenco-Gypsies zutage treten. Alle 13 Stücke dieser CD haben Romengo nach eigenem Gutdünken für sich reinterpretiert oder in bester Olah-Tradition selbst geschrieben. Schön, dass hier einmal wieder zu den Wurzeln alter Gypsytradition zurückgekehrt wurde.

www.romengo.com