Neue Platten

Olivia Trummer - Poesiealbum

Genre: Jazz
Label: Neuklang (Sunny Moon)
CD, VÖ: - 23.09.2011

Jazzpianistinnen sind in der eher männerdominierten Kaste eine willkommene, aber vielleicht auch etwas gefährdete Ausnahme. Olivia Trummer, Jahrgang 1985, beispielsweise umso mehr, da sie nicht nur vergleichsweise blutjung und eventuell noch etwas grün hinter den Ohren ist, sondern sich auch noch zusätzlich auf das zerbrechliche Eis des Gesangs wagt, so als genüge ihr ein Metier nicht, sich in zwei Fettnäpfchen gleichzeitig zu setzen. Hinzu kommt noch, daß der CD-Titel „Poesiealbum“ dann auch noch etwas von verkitschten Jungmädchenträumen hat, was unwillkürlich Fettnäpfchen Nummer drei auf den Plan ruft. Erstaunlicherweise bleiben aber alle drei Behältnisse völlig unangetastet. Denn Olivia Trummer hat ein Pianisten-Diplom der Stuttgarter Musikhochschule im Handtäschchen, hat an der New Yorker Manhattan School of Music studiert, wurde fünf mal zur Siegerin des Wettbewerbs „Jugend musiziert“ gekürt, hat eine tolle Stimme, kann sich wohldurchdachte deutsche Texte aus dem Hinterstübchen zwirbeln, hat mit Johannes Lauer einen sportlichen Posaunisten, mit Martin Gjakonovski einen hurtigen Bassisten und mit Bodek Janke einen potenten Drummer im Gefolge. So kommt was kommen mußte: Das „Poesiealbum“ ist kein halbgarer Kinderkram, sondern ein glänzendes Jung-Frauenalbum, das eine kühne Brücke zwischen Jazz, Pop und Lyrik schlägt. Olivia Trummers gesungener Jazz entstammt keinem vorgefertigten Textbausatzkasten, sondern besteht aus besinnlicher bis ironisch angehauchter Muttersprachenlyrik, die vielleicht mal ein bißchen nach Xavier Naidoo klingt, manchmal aber auch frei erfunden ist. Über alle Zweifel erhaben ist ihre Fingerfertigkeit, gepaart mit der hohen Kunst, Stilsymbiosen eindrucksvoll durchzuziehen. Da macht Zuhören Freude. Im Kontext mit ihren Kollegen also eine wunderbare Teamarbeit.

www.oliviatrummer.de