Neue Platten

Milla Viljamaa - Minne

Genre: Kammerfolk
Label: MV Records
CD, VÖ: - 30.09.2011

Milla Viljamaa stammt aus Finnland und finnisch ist, wie wir wissen, eine ganz besondere Sprache. Aus diesem Grund hat auch „Minne“ nichts mit dem mittelalterlichen Minnegesang zu tun, sondern bedeutet schlicht und ergreifend „wo“ oder „wohin“. Nimmt man die schwedische Sprache zu Hilfe, die ja zumindest in Südfinnland, teil der dortigen Zweisprachigkeit ist, ergibt sich das Wort „Gedächtnis“. Soviel also zum CD-Titel. Wo aber führt uns Milla Viljamaa nun hin? Diesmal, so erfahren wir aus den Linernotes, in das Reich der Fantasie, der Fabeln und der Mythologie. Eigentlich ist ja Tango ihr großes Ding, das sie gerne und ausgiebig mit ihrer Partnerin und Akkordeonistin Johanna Juhola zelebriert. Als die einzig und alleinige Milla Viljamaa allerdings widmet sie sich gerne den cinemaskopen, also den breit angelegten Welten der Imagination. So war das bis zu einem gewissem Maße auch auf „Paras Aika Päivästä“ das sie 2008 aufnahm. Weitaus intensiver allerdings gelingt ihr das auf „Minne“. Sie selbst spielt hier vorzugsweise das Harmonium, aber auch den Flügel oder die Celesta (eine Art Glockenspiel-Harmonium). Ihr zur Seite steht außerdem ein komplettes Streicherquartett, ein Bassist sowie ein Gitarrist. Alles zusammen ergibt eine Miniatur-Symphonie, die in ihrer ganzen Länge wie ein maßgescheiderter Soundtrack zu einem Scherenschnitttrickfilm passt, der mit einer Augsburger-Puppenkiste-Dramaturgie, einer Schneewittchen-Choreographie und einer Wallace and Grummit-Welt kokettiert. Wuselig-vertrackte Rhythmik, ländlich-skandinavische Tanzveranstaltungsstimmungen, verschmitzte schwarz-weiß-Sprache aus den Kindertagen der britischen Fernsehunterhaltung (Anspielungen auf Miss Marple oder The Avengers) oder der weite offene Himmel über Nordeuropa sind alles ganz verschiedene Zutaten, mit denen Milla Viljamaa hier virtuos spielt und mit einer grenzenlosen Liebenswürdigkeit ausstaffiert. Ähnliches kennen wir aus den Filmmusiken eines Yann Thiersen oder eines Pascal Comelade. Bei Milla Viljamaa allerdings verschiebt sich alles noch stärker in Richtung orchestraler Kammerfolk, der sich am liebsten aus Traumsequenzen und Poesiealbumromantik speist. Ein sehr berührendes, aber auch streckenweise sehr kraftvolles Album, das mit außerordentlich viel Liebe zum Detail gestrickt wurde.

www.millaviljamaa.com