Neue Platten

Beat ’n Blow - Nackt Und Roh

Genre: BrassFunk
Label: Herzog Records (Edel)
CD, VÖ: - 07.10.2011

Zugegeben, die Bayern haben nicht die alleinige Regentschaft über die deutsche Blasmusik. Aber fesch san’s scho. Wir erinnern da nur an die lederbehoste Barfusstruppe La Brass Banda aus dem Chiemgau, deren lässiger Spagat zwischen Stadt und Land immer wieder begeistert. Beat ’n Blow kommen dagegen aus der Preußenhauptstadt Berlin und bringen doppelt so viele Solisten auf die Bühne. Statt bajuwarischer Bierzeltatmo gibt es hier knackig-blechernen Soulfunk. Das Sagen bzw. das Singen wird von einem gestandenen Weibsbild übernommen. Diese blonde Dame nennt sich Katie LaVoix, hat ein ebensolches kraftvolles Organ, rau-kelht nach bestem Wissen und Gewissen und schreibt alle Texte. Und da haben wir bereits den ersten Ansatz der Kritik. Denn ihr Umgang mit dem gesungenen Wort liegt irgendwo zwischen Anne Haigis, Doro, Joy Fleming und Xavier Naidoo - Vertreter einer Deutschrock-Sparte, die zwar viele Anhänger hat, aber deswegen noch lange kein Qualitätsmerkmal sein muss. Zeilen wie „… Der Traum vom Sein ist wirklich gut // aber besser wenn Du bei mir bist // … // Dich zu spüren macht mir Mut // das hab ich lange lange vermisst …” sind alles andere als originell und wirken wie ein vorgekauter und mit dem Fleischhammer zurechtgeklopfter Textbaustein. Da dichtet der Textmaster der La Brass Banda schon wesentlich gewitzter. Aushalten müssen das dann die Herren im Hintergrund, die dennoch eine sehr gute Miene zum philosphisch etwas zweifelhaften Spiel ihrer Lead-Frau machen. Auch wenn sich das Nord-Süd-Gefälle mittlerweile etwas ausgeglichen hat, gibt es eben doch noch die feinen Unterschiede. Unser Zeiger schlägt deswegen dann doch wieder nach Bavaria aus. Ach ja, zweiter Ansatz der Kritik nach Durchsicht des Booklets/Cover Rückseite: Katie LaVoix bräuchte vielleicht noch einen Geschmacksberater in Sachen Outfit.

www.beatnblow.de