Neue Platten

Tori Amos - Night of Hunters

Genre: Pop
Label: Deutsche Grammophon (Universal)
CD, VÖ: - 16.09.2011

1992 durchrüttelten mehrere kleine Erdbeben die damalige Poplandschaft. Tori Amos’ CD „Little Earthquakes” war der Auftakt einer Karriere, die bis heute in ihrer Einzigartigkeit andauert. Die US-Amerikanerin aus North Carolina produzierte erfrischende Popsongs, die so ganz anders waren, als der schnöde Rest bis dato. Melodien, die teilweise einen Herzschrittmacher ersetzten, ihre kindliche Stimme, ja ihre ganze nonkonformistische Erscheinung und ihr unglaublich versiertes Piano­spiel konnten einen in entrückte Sphären versetzen. Ihre Konzerte waren und sind musikalische Schlüssel­erlebnisse für Tausende. Und doch schlich sich um die Milleniums­wende so etwas wie eine Art künstlerischer Stillstand ein, der zum Teil auch darauf begründet war, sich ständig neu erfinden zu müssen. Und wer krampfhaft nach neuen Aufhängern sucht, ohne wirklich fündig zu werden, wird nicht selten zum Wiederholungstäter. Mit „Night of Hunters” ist Tori Amos allerdings diesmal so etwas wie ein Befreiungs­schlag gelungen. Dieses Album knüpft in seiner Intensität nicht nur wieder an frühe CDs an, sondern hat auch noch durch die Tatsache, daß Amos nun auf klassische Kompo­nisten des 18. und 19. Jahr­hunderts zurückgreift, einen neuen, starken Rückenwind erhalten. Die 14 Songs tragen sich in einer märchenhaften Ökoszenerie zu, eingebettet in irischer Mythologie und dargeboten als eine Art Kammerspiel, bei dem vor allem akustische Instrumente das Sagen haben. Flöte, Oboe, Klarinette, Fagott, English Horn und Streicher sind das Fundament für Adaptionen klassischer Musik. Satie, Granados, Mussorgsky, Scarlatti, Debussy oder Schubert bieten die Steilvorlage, die Amos gekonnt aufnimmt und damit zielgenau ins Schwarze trifft. Unterstützt wird sie dabei von ihrer Tochter Natashya, die mit ihren damals elf Jahren der Mutter gesangstechnisch durchaus Paroli bieten kann. Wohl wegen der vielen Bezugspunkte zur Klassik erscheint dieses Album dann auch bei der Deutschen Grammophon, man höre und staune. Wer also wieder mal knietief in qualitätsvoller romantischer Verklärung versinken möchte, dem sei dringend angeraten, sich dieses kleine Meisterwerk zuzulegen.

www.toriamos.com