Neue Platten

Camille - Ilo Veyou

Genre: IndiePop
Label: EMI France/Capitol (EMI)
CD, VÖ: - 14.10.2011

Nicht immer treffen die Redakteure von Funkhaus Europa mit ihren CDs der Woche ins Schwarze. In der KW 42 jedoch war mal wieder ein Volltreffer angesagt. Camille hieß die glückliche Gewinnerin und ihre CD „Ilo Veyou” (hallo Wortspiel!) ist tatsächlich ein 15-teiliges Hammerpaket. Nicht etwa, weil es da metal- oder grungemäßig zuginge - sehr falsch. Camille hat als waschechte Französin den spontanen Charme einer höchst kreativen Musikerin auf ihrer Seite. Das geht schon mal damit los, dass der erste Track dieser CD nicht im Studio, sondern beim Joggen unter freiem Himmel aufgenommen wurde. Der Rest in drei Kapellen, einem Kloster und einem Holzbodenstudio. Bei einem anderen Stück hat sie einfach mal die Vokalspuren rückwärts laufen lassen und somit ein babylonisches Sprachenwirrwar erzielt. Überhaupt wurde viel Wert darauf gelegt, das Album so akustisch wie möglich zu halten. Knistern, Atmen, alltägliche Geräusche, gezupfte Streichinstrumente und sogar körpereigene Winde kommen zum Einsatz. Das Repertoire auf „Ilo Veyou” reicht von Spieluhrensongs über Gitarrenballaden, Kinderchoreinlagen und Chansons bis hin zu einer Edith Piaf-Parodie und milden Minne­liedern. Das Set gleicht einem schillernden Kaleidoscope, der Wechsel zwischen englischer und französischer Sprache bringt zusätzliche Attraktivität. Camilles Stimme ist unvergleichlich weiblich, kann aber auch ins Theatralische umschlagen oder zur Human Beat Box mutieren. Das ganze Album jedenfalls ist, wie schon erwähnt, ein Hammer. Aber einer der ganz besonders grazilen Art.

www.camille-music.com