Neue Platten

Chris Letcher - Spectroscope

Genre: IndiePop
Label: 2 Feet Music/Sheer (ADA Global)
CD, VÖ: - 21.10.2011

An der Arbeitsweise von Chris Letcher hat sich seit seinem Erstlingsalbum „Frieze” eigentlich nicht viel geändert. Der Mann ist zwar um gute 4 Jahre gealtert, nicht so seine Kompositionen. Die wirken immer noch wie gerade aus der Frischhaltefolie gepellt. Mindesthaltbarkeitsdatum: langfristig. Allerdings, und das galt ja auch schon für „Frieze”, bedarf es einer gewissen Eingewöhnungszeit, um mit den Tracks warm zu werden. Vieles wirkt erst einmal sperrig. Vertrackte Rhythmik, ein Gemischt­waren­laden an Instrumenten, vermeindlich wirre Strukturen, gewöhnungsbedürftige Stimme. Bei der Gruppe „Yes“ Anfang der 70er Jahre nannte man so etwas noch Art-Rock. Heute könnte man den Südafrikaner Letcher in eine Art-Pop-Schublade stecken. Seine Vorliebe für Filmmusiken hat er in seinem „Spectrosope” wie selbstverständlich mit untergebracht. Entsprechend mutet der hier verwendete Werk­zeug­koffer wie eine Flohmarktauslage an: Singende Säge, Bassklarinette, Trompete, Harmonium, Daumenklavier, Holzblasinstrumente, Museums-Syntheziser. Ergänzt von Keyboards und Bass, gespielt von zwei Kollegen. „Spectrosope” ist ein komplexes Werk, keine Frage. Chris Letcher hat hier ein Kreativoutput untergebracht, aus dem manch anderer drei oder vier Einzelalben stricken würde. Vertonte Gedichte, flirrende Indie-Hymnen, zarte afrikanisch-indigene Folkpassagen, stramme Rockrythmen oder verfremdete Kammermusik – Grenzen in der Umsetzung seiner Ideen scheinen nicht zu existieren. Ein sehr extravagantes Album.

www.letchermusic.com