Neue Platten

Golden Afrique Vol. 1 - (V. A.)

Genre: World / Africa
Label:Network (Zweitausendeins)
2 CD, VÖ - 20.01.2005

Ein Leckerbissen kommt selten allein. Network aus Frankfurt arbeitet ja bekanntlich immer ohne Netz, aber dafür ganz gerne mit doppelter CD im Digipack. So auch bei dem neuesten Streich, der diesmal aus dem historischen Afrika kommt. „Highlights und Raritäten aus dem goldenen Zeitalter der afrikanischen Pop-Musik – 1971 bis 1983” so heißt der Arbeitstitel dieser Doppel-CD und da werden Knaller über den Tresen gereicht, die in den Diskos von Mali, Senegal, Gambia, Elefenbeinküste, Guinea, Tschad und Togo mal die großen Renner waren. Mit diesem Album, zweimal hintereinander abgespielt, kann man mühelos eine durchschnittliche Tanzflur-Rushhour beschallen. Allerdings wird der Begriff „Pop-Musik” in Afrika natürlich anders definiert wird als bei uns. Was hier in den Mittsiebzigern vielleicht Abba, Queen oder Flashdance hieß, war damals in Westafrika Etoile De Dakar, Orchestra Baobab oder Highlife.
Wo sich heute in Afrika immer mehr geklautes HipHop-Gepose breit macht, trugen die Hipsters von damals noch Schlips und Bügelfaltenhosen, erfreuten sich an alten Wolof-Melodien, die mit elektrischen Instrumenten re-interpretiert wurden und tanzten sich in Klubs wie dem Bahnhofshotel von Bamako die Hacken wund. Und genau dieses Feeling erlebt man auf dieser CD hautnah und live mit. Locker, leicht und beseelt von unbeschwerter Spielfreude werden da Themen wie „Taxifahren in Abidjan” oder das weite Feld der Beziehungskisten in typisch afrikanischer Kindlichkeit behandelt, wie man sie auch aus der naiven Malerei Westafrikas kennt.
Damals schon mit dabei aber bei weitem noch keine Weltstars, waren Sänger wie Salif Keita (damals noch bei den Ambassadeurs Du Motel De Bamako) und Youssou N’Dour (als Mitglied der Etoile De Dakar) oder die in den USA schon bescheiden populäre Südafrikanerin Miriam Makeba, die knapp sieben Jahre lang in Conakry im Exil lebte.
„Golden Afrique” ist dank seiner klugen Auswahl und den reichlich vorhandenen Zusatzinformationen eine wahre Fundgrube an bislang größtenteils unbekannter Populärmusik vom schwarzen Kontinent. Das damalige Zusammenwirken von spielerischer Modernität und schwarzen Traditionselementen ist bis dato unerreicht geblieben und deswegen ist der Ankauf dieser Pretiosen dringend zu empfehlen. Und aus vertraulicher Quelle war zu vernehmen, Volume 2 ist in Arbeit. Good news!

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