Neue Platten

Rez Abbasi’s Invocation - Suno Suno

Genre: Jazz
Label:Enja (Edel Soulfood)
CD, VÖ: - 21.10.2011

Indisch-pakistanischer Jazz. Bollywood selbstverständlich Fehlanzeige, dafür läßt sich auf „Suno Suno” ein Bezug zur religiösen Qawwali-Musik schon eher herstellt. Der Gitarrist Rez Abbasi und seine Musiker sind allerdings weit davon entfernt, dieser islamischen Extasemusik eine traditionelle Plattform zu bieten. Vielmehr nutzen sie den Spirit, die treibenden Kräfte und das Frage-/Antwort-Prinzip der Qawwali-Kultur für ihre vielfältigen Jazz-Improvisationen. Weitergehende und deutliche fernöstliche Anmutungen findet man auf „Suno Suno” nicht. Dazu sind alle Beteiligten zu tief im westlichen Jazz verwurzelt, als dass der Zeiger eindeutig in Richtung spiritueller Tradition ausschlagen würde. Rez Abbasi spielt eine Klangkörper-E-Gitarre und hat schon genug damit zu tun, mit Hilfe von sechs Saiten den Geist des Qawwali in freie Jazz-Strukturen umzusetzen. Dass ihm dies dennoch eindrucksvoll gelungen ist, verdankt er seinen profunden Erkenntnissen, die er in der New Yorker Szene erworben hat. Ihm zur Seite stehen der südindische Alt-Saxophonist Rudresh Mahanthappa, sein Kollege Vijay Iyer am Piano sowie der Heidelberger Bassist Johannes Weiden­müller und der US-Drummer Dan Weiss, der neben seinen Skills in indischer Rhythmik auch noch eine Menge Led Zeppelin-, The Who- oder Jimi Hendrix-Texturen aus seiner jugendlichen Sturm- und Drangzeit abgespeichert hat. So kann man diesem Album trotz aller Komplexität verbunden mit behender Polyrhythmik eine gewisse Leidenschaftlichkeit in der Ausführung nicht absprechen. Improvisa­tionsjazz in Reinkultur.

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