Neue Platten

The Cambodian Space Project - 2011: A Space Odyssey

Genre: Rock ’n’ Roll Fernost
Label: Metal Postcard (Indigo)
CD, VÖ: - 28.10.2011

Sicher keine schlechte Idee, mal im Pop-Entwicklungsland Kambodscha auf Talentsuche zu gehen. In einem Land, dessen Populärkultur durch die Kriegsvergangenheit brutal niedergetrampelt wurde und nun erst wieder mühsam laufen lernen muss. Per Zufall ist der australische Musiker und Fernostmusik-Junkie Julien Poulsen in einer Phnom Penher Karaoke-Bar über die Sängerin Srey Thy gestolpert, deren bewegtes Vorleben sie bereits durch Kinderarbeit, Soldatencamps, Bars und Bordelle geführt hatte. Quasi aus dem Stand heraus entstand dann mit einheimischen, französischen und australischen Musikern das Cambodian Space Project, das mit verstaubten Khmer-Kompositionen und verschrammelter 60ies Mucke auftrumpft. Die Sache ist einigermaßen skurril: da treffen 40 bis 50 Jahre alte Rumpel-Standards aus der fernöstlichen Rock ‘n’ Roll-Schublade auf bizarre asiatische Klangwelten, die sich zuforderst in der schrillen und exaltierten Stimme der ehemaligen Karaoke-Queen manifestieren. Dazwischen eiert das Akkordeon, poltert das Schlagzeug, sägt die Gitarre, wummert der Bass und dudelt die Klarinette. Ein lupenreiner Trip in eine vergangene Ära, als die Musik der amerikanischen GI’s in Fernost noch den Ton angab. Alles streng im LoFi-Mudus gehalten und so schrill wie das bunte Leben in Phnom Pens Vergnügungsvierteln. Neben den vielen einheimischen Tracks präsentiert das Space Project dann noch quasi als Zugabe den Pop-Klassiker „Venus“ der Niederland-Rocker Shocking Blue im Südostasien-Karaoke-Outfit. Der Charme dieser neun Songs hält sich allerdings in Grenzen. Dazu sind die Kompositionen allesamt zu schrullig und zu durchschnittlich, Marke Billigheimer. Dafür ist der Originalitätsfaktor umso höher und puscht die Sache dadurch wieder um einige Tabellenplätze.
Übrigens: ein ähnliches Konzept stammt aus Kalifornien und nennt sich Dengue Fever. Eine US-NeoHippie-Kommune tat sich da ebenfalls mit einer kambodschanischen Sängerin zusammen. Mehr dazu hier. Im direkten Vergleich Raumfahrt gegen Infektionskrankheit hat unserer Meinung nach allerdings die in den Staaten beheimatete Kombo die Nase leicht vorn.

www.cambodianspaceproject.com
www.metalpostcard.com