Neue Platten

Ulita Knaus - Sea Journey

Genre: Vocal-Jazz
Label:Minor Music (InAkustik)
CD, VÖ - 02.09.2005

Fragt man mich nach meiner Lieblingssängerin auf dem Elektronik/Jazz Sektor, muß ich nicht lange zögern. Norwegens famose Beate Lech (besser bekannt unter ihrem Bandnamen Beady Belle) ist da sofort zur Stelle. Eine höchst einfühlsame und prägnante Sängerin, die nicht nur gut aussieht, sondern auch als Musikerin eine beachtliche Performance bietet. Würde sie sich statt mit clubelektronischem NuJazz mit straigtem bis traditionellem Akustikjazz befassen, könnte sie direkt die Zwillings-Schwester von Ulita Knaus sein. Die wiederum hat ihr mittlerweile drittes Album herausgebracht und das besticht, zumindest vokaltechnisch, voll und ganz den positiven Lech’schen Eigenschaften wie Feinfühligkeit und Virtuosität.
Ulita Knaus pflegt, wie gesagt, den leidenschaftlichen Umgang mit handgemachtem Jazz, der zwar modern zu nennen ist, aber trotzdem an althergebrachten Strukturen festhält. Insofern ist diese CD alles andere als innovativ. Das muß aber nicht unbedingt ein Nachteil sein. Im Falle Knaus ist dies sogar von Vorteil, denn hier sind Stimme und instrumentelle Arrangements optimal aufeinander abgestimmt.
Neben ihren eigenen Kompositionen fallen besonders die Stücke ins Gehör, die sie sich von Leuten wie Chick Corea, Lenny Kravitz, Gerry Rafferty oder Al Jarreau ausgeborgt hat. Speziell das fast schon antike „Baker Street” erfährt in der Knaus-Adaption eine ungeahnte Erneuerung. Mit klassischer Triobesetzung (Piano, Bass und Drums) legt die Wahlhamburgerin da eine perfekte Coverversion hin, die der Wärme des Originals auf eine ganz andere Art und Weise das Wasser reicht.
Und überhaupt hat sie mit ihren Begleitmusikern eine ziemlich gute Wahl getroffen. Allen voran der Mann für’s Schwarzweiße, Mischa Schumann, der die Stimme der holden Blonden souverän umspielt. Fast schon eine Seltenheit ist eine Frau an der Gitarre. Hier ist es Sandra Hempel und die geht mit weiblicher Intuition über die Strings, als wäre Sinnlichkeit die Mutter aller Saitenzupferinnen.
Auch wenn vielleicht der eine oder andere „Sea Journey” als Kuschel-Jazz abtut, so kann man der CD trotzdem eine gewisse stilvolle Reife nicht absprechen. Kompositionen wie „Autumn Storms” oder „Four On The Floor” beeindrucken durch ihre geswingte Leichtfüßigkeit, klassische Balladen durch ihre Eleganz und so hinterläßt dieses Album in all seinen Facetten einen durchaus positiven Nachhall. „Nordisch by Nature” eben.

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