Neue Platten

Kerkko Koskinen Orchestra - Trains & Letters

Genre: Jazz
Label: Ricky-Tick Records (Sony)
CD, VÖ: - 04.11.2011

Bigbandsound aus Finnland. Ja, auch da sind die Nordmänner kompetente Ansprechpartner. Ganz im Besonderen ein gewisser Kerkko Koskinen, ex-BMG-Talentscout und inzwischen ein gefragter Jazzmusiker und -komponist. Er holt wie ganz selbstverständlich den Sound der 50er und 60er Jahre aus dem Koffer und lässt ihn so klingen, als hätte diese Musik noch nie ein Körnchen Staub angesetzt. Frisch und frei musizieren hier finnische Top-Musiker drauf los, bieten packende Teamarbeit und zünden ein fetziges Torpedo nach dem anderen. Koskinen selbst spielt hier vor allem Cembalo, was dem Ganzen einen gewissen klassischen Beigeschmack verleiht. Das heißt aber noch lange nicht, daß dieses Orchester an traditionellen Mustern klebt. Von Souljazz über Swing bis Soundtracks für s/w-Filme reichen die Variationen, eine kräftige, 8-köpfige Bläsersektion sorgt für knackige Akzente, ergänzt durch Vibraphon und Piano. Perkussiv geht es ebenfalls hoch her, denn Drummer Teppo Mäkynen ist nicht nur ein ausgewiesener Crack, sondern auch Produzent dieses Albums und nebenher noch Mitglied beim Five Corners Quintet und der Formation Nuspirit Helsinki. Viele der bekannten Retro-Elemente wurden enorm auf Hoch­glanz poliert, meist gibt die Bigband ordentlich Gas, aber auch in Balladen, wenn zum Beispiel durch die Sprecherin Vilma Melasniemi aus einem fiktiven Brief rezitiert wird, zeigt sich, wie versiert Koskinen und seine Crew hier gewitzte Akzente setzen können. So braucht man sich keine Sorgen zu machen, dass sich die Beteiligten im Blick zurück in falschen Sentimentalitäten verlieren. „Trains and Letters” ist packender Jazz­orchestersound von gestern, der bis weit ins Heute reicht.

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