Neue Platten

Hip Whips - Hip Whips

Genre: Retro-Rock
Label:Brass Button (Soulfood)
CD, VÖ - 05.09.2005

Das Logo des schwedischen Labels BrassButton sieht aus, als wäre es in Texas erdacht worden: 2 Westernpistolen zielen auf zwei Herzen, die obligatorischen Sternenreihe darunter und das alles auf einem Schild, auf dem normalerweise amerikanische Highways nummeriert sind. Gibt man sich aber die 10 Songs der Hip Whips, ist das alles andere als smarter Country-Kram. Vielmehr dröhnt einem da erst mal mächtig eine alte Hammond-Orgel um die Ohren. Die wird bedient von Markus Lindmann und der, so scheint’s, ist beseelt von den guten alten Zeiten, da man noch einfach seine Gerätschaften in die Verstärker einstöpselte und munter drauf losjammte.
Wir haben es hier also mit einer waschechten Retro-Kombo zu tun. Mit dabei noch Drummer Finn Ellison und Bassist Thomas Meyer. Dieses Trio rockt und schweineorgelt sich kraftvoll durch vergangene Rock ‘n’ Roll-Landschaft, was teilweise an die ganz frühen „Nice” oder „Vanilla Fudge”erinnert, aber auch was von „Medeski, Martin & Wood” hat.
Das Info-Blatt vergleicht die Vokalkünste des Frontmannes Lindmark mit denen eines zittrig-heißen jungen Mick Jagger. Etwas hoch gegriffen für mein Dafürhalten, aber nach dem Durchgang von Track 3 (Brothers) kann man den Urheber dieser Parallele etwas besser verstehen.
Aufnahmetechnisch hat man sich ebenfalls stark an den 60ern orientiert, denn alles klingt doch sehr lofi. Hat aber durchaus was Authentisches, insofern passt’s auch schon wieder. Ach ja, bevor wir’s vergessen: Es gibt noch ein viertes Rad am Wagen, das nennt sich Konie und schwingt eine „futuristische” Gitarre, die sich immer mal zwischen Rumpelbeats und Tastengekrächze zaghaft zu Worte meldet.
Ansonsten ist Gas geben die Devise, unterbrochen von ein paar zarten Liebesballaden mit Honky-Tonk Piano und holperigen Ringo Starr Drumkünsten. Die Hip Whips gehören zu einer selten gewordenen Spezies Musiker, denen das ganze augenblickliche Zeitgeistgedöns scheinbar ziemlich weit am Allerwertesten vorbeigeht. So erklärt sich wohl auch der Bandname.

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