Neue Platten

Ween - Shinola Vol. 1

Genre: Independent-Rock
Label:Schnitzel Records (Rough Trade)
CD, VÖ - 05.09.2005

Es passt wie immer alles zusammen: die Gebrüder Ween heißen mit Vornamen Dean und Gene, sie veröffentlichen derzeit auf Schnitzel(!)-Records (UK) und beim warten auf den Aufbau ihrer Website wird man erst mal mit dem Stinkefinger begrüßt. So sind sie halt, die beiden Pfeifendeckel aus Pennsylvania. Nur Blödsinn im Kopf. Und dann noch die neue CD. Auch so’n Ding. Allein schon das Cover von Shinola Vol. 1 ist eine Mischung aus Frankenstein und Klapsenkunst – und der Inhalt?
Wir lernen erst mal, daß Shinola kein reguläres Ween-Album ist. Das kommt irgendwann mal. Das hier ist ein Teil, zu dem andere vielleicht „B-Sides, Lost Stuff & Rarities” sagen würden, Ween sagen dazu „Odds, Ends & Leftovers”.
Es ist also ein Griff in das Mottenarchiv der beiden, Sachen die es bisher nie auf veröffentlichte Scheiben geschafft haben. Wer aber die Weens ein bißchen besser kennt, weiß, daß das kein allzugroßer Müll sein kann. Höchstens etwas skurril, aber was ist schon normal bei Ween?!
So würde es praktisch gar nicht auffallen, wenn „Shinola” also ein ganz regulär-zünftiges Ween-Album wäre. Der Zusatz „Vol.1” allerdings deutet darauf hin, daß noch mehr aus diesem Kuriositäten-Kabinett zu erwarten ist. Wir dürfen also gespannt sein. Back to Shinola. Los geht’s mit mit Verrenkungen und Verstauchungen. Der erste Track kämpft sich durch einen Wust von Klappermechanismen, verzerrter Stimmbänderakrobatik und durchgeknallter Gitarrenimprovisation. Der „Boys Club” kommt in ganz lockerer Schubidu-Atmo, Nr. 3 beginnt fast wie „Come Together” von den Beatles und hat ansonsten auch recht wenig zu bieten. (Jetzt verstehen wir auch die Bedeutung des Wortes „Leftovers” besser). Die Folgenummer wurde erheblich runtergepitcht und bewegt sich sowohl im Vokal- als auch im Bass-Bereich im tiefsten Kohlenkeller, etwas für die Freunde von Gruselfilmen. Aber dann: „Gabrielle”, ein fröhlicher Zucker, ist die totale Replika eines nie geschriebenen Thin Lizzy Songs. Perfekt und köstlich nachgezaubert. Des weiteren ist zu vermelden: Gitarrenbombast aus der Spielhölle, Schlafzimmer-Wimmer-Rock und fluffiger Country-Pop. Track Nr. 9 ist wieder ein echter Hinhörer. „Israel” überzeugt durch eine süffige Saxophon-Linie und die Worte des Herrn. Der Rest: eine zurecht ziemlich freakige Monique sowie eine Augenzwinker-Schmuserunde am Ende. Fazit: Ween wie wir sie lieben mit Ups und Downs. Wie immer halt.

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