Neue Platten

Kate Bush - 50 Words For Snow

Genre: Pop
Label:Noble + Brite (EMI)
CD, VÖ: - 18.11.2011

Kommt Weihnachten, kommt Schnee. So hätten es gerne die Xmas-Romantiker. Der Wetterfrosch aber tickt anders. Weiße Flöcklein zum Fest der Feste haben mittlerweile Selten­heits­wert. Wer da auf Nummer sicher gehen will, muss ab ins Hoch­gebirge oder er kann sich dieses Jahr vertrauensvoll an Kate Bush wenden. Denn sie hat den glänzenden Einfall gehabt, die Menschheit mit einem Schneealbum zu erfreuen. Nach sechsjähriger Schaffenspause pünktlich für den Gabentisch etwas Romantisches. Wer nun aber denkt, Frau Bush würde mit Jinglebells am Schlitten durch ein Disney-Winter-Wonderland rodeln, der irrt. Die Pop-Ikone der 70er und 80er wartet statt dessen mit einem würdevollen Konzeptalbum auf, das ganz (oder zumindest teilweise) der leisen Jahreszeit entspricht. Sieben Episoden mit knapp sieben bis über 13 Minuten Spieldauer signalisieren, dass es hier nicht um profanen oder kurzlebigen Lametta-Tand geht, sondern um die Kunst einer besonderen Ausführung. Denn bei „50 Words for Snow” liegt tatsächlich in der Ruhe die große Kraft. Diese CD hat etwas Mystisches, etwas Entrücktes, bewegt sie sich doch zwischen Eiswelten und Aurora Borealis. Melodien, die oft nur schwer fassbar sind, werden untermalt von zartem Schlagzeug, Bläsern, feiner Elektronik und vor allem von der Arbeit am Flügel. Getupfte Anschläge erinnern immer wieder an das sanfte Fallen von dicken Flocken. Im weiteren Verlauf der Songs zieht das Tempo allerdings dezent aber merklich an, aus Kollagen werden Beats. An skurrilen Themen mangelt es Kate Bush nicht: Sinnliche Abenteuer mit einem Schnee­­mann, das Treffen mit einem Yeti oder das berühmte Einge­schneit­sein. Standes­gemäße Unterstützung bei dieser Reise an die Grenzen des Pop erhält Kate Bush von Sänger Andy Fairweather-Low (Amen Corner, Garry Rafferty), von Elton John, der mit ihr das Duett „Snowed in at Wheeler St” bravourös bewerkstelligt und Schrift­steller Stephen Fry, der von Mrs. Bush angetrieben, sich als multilingualer Rezitator outet. Aber auch familiär hat sich Erwähnens­wertes getan: Kate Bush’s Sohn Albert tritt zu Beginn des Albums als eine sprechende und singende Schneeflocke in Aktion.
„50 Words for Snow” überzeugt durch eine durchgängige, in sich stimmige Atmosphäre, wie man sie sich speziell in der Winterzeit nach überstandenem Weihnachts-Tohuwabohu sehnlichst wünscht. Eine 65-minütige Auszeit der stimmungsvollen und anspruchsvollen PopArt.

www.katebush.com