Neue Platten

Anna Maria Jopek - Secret

Genre: Vocal Jazz
Label:Emarcy (Universal)
CD, VÖ - 05.09.2005

Es gibt nur wenige prominente Jazzmusiker in Polen. Anna Maria Jopek gehört sicherlich dazu. Aber wie das nun mal leider so ist, die nationalen Grenzen zu überwinden, geschweige denn auf dem internationalen Markt zu landen, ist auch für eine Frau Jopek kein locker Sonntagsspaziergang. Da kann sie sich glücklich schätzen, daß ein Major sich dahinter geklemmt hat, sie ein wenig zu puschen. Allerdings hat man ihr in diesem Zusammenhang wohl auch nahegelegt, sich der polnischen Muttersprache zu entledigen, da diese im internationalen Geschäft nicht so ganz attraktiv sei. Und so wird Anna Maria Jopek denn auch nicht müde, bei Interviews zu betonen, daß das Polnische doch eigentlich eine eher ungeschickte und mit Zischlauten nur so gespickte Sprache sei. Dabei hat sie dieser Sprache eine ganze Menge Erfolge zu verdanken. Allein ihr Album „Upojenie” in Zusammenarbeit mit Pat Metheny erlangte in Polen Platin-Status und alle anderen polnischsprachigen Scheiben, die sie seit 1997 aufnahm, gingen ebenfalls weg wie warme Semmeln.
Ross Cullum ist der Produzent von „Secret”. Er wollte dennoch dafür Sorge tragen, „die Ausdrucksstärke, die Anna Maria in ihrer eigenen Sprache hat, in die englische hinüberzuretten”. Ob ihm dieser Gedanke nun wirklich so unter den Nägeln gebrannt hat, ist indes zu bezweifeln. Denn von polnischen Roots, egal ob Volksmusik, Klassik oder slawischer Poesie, ist auf „Secret” auf den ersten Blick jedenfalls nicht viel zu entdecken. Vielmehr ist es ein ausnehmend hübsches Jazz-Album geworden, das sich mehr an brasilianischer Leichtigkeit und an klassischen amerikanischen Jazz-Diven orientiert, als an dem, was man auf der Warschauer Musikakademie an Traditionslehre so beigebracht bekommt.
Ihre eigenen Kompositionen auf „Secret” stehen zu den Coverversionen im Verhältnis 7:4. Zwei mal Sting, Van Morrison und No Doubt (!) werden hingebungsvoll mit jazziger Routine interpretiert und verströmen eine angenehm relaxte Barstimmung. Dezente Programmierungshilfen, Anna Marias Klavierspiel und eine kompetente Schar an polnischen Jazzern tun da ihr übriges. Die sieben Originale stehen den Covern in dieser Hinsicht kaum nach. Auch da gehen Jopeks zarte und lebendige Stimme und das Drumherum eine elegante Symbiose ein, wobei sich allerdings das gesamte Repertoire von „Secret” von jeglichen experimentellen Ausschweifung konsequent fern hält. Der verkaufsfördernde Mainstreamgedanke erfreut sich also bester Gesundheit. Und unter diesem Aspekt hätte das ganze auf polnisch in der Tat vielleicht einige Schluckbeschwerden zur Folge gehabt. Ich hatte das aber trotzdem gerne in Kauf genommen.

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