Neue Platten

Neutral Milk Hotel - In The Aeroplane Over The Sea

Genre: IndiePop
Label:Domino Records (Rough Trade)
CD, VÖ - 05.09.2005

Nun gut. Warum soll man Altes nicht wieder recyclen? Laut Plattenfirma handelt es sich bei diesem Re-Release von 1996 um ein Juwel, einen Meilenstein gar, der unter einer dicken Staubschicht wieder hervorgepustet wurde. Der windige Bandname kommt den meisten sicherlich eh spanisch vor, wo es sich doch um eine durchaus ur-amerikanische Kombo handelt. Die Jungs um Jeff Mangum fanden sich einst in einem mittlerweile nicht mehr recherchierbaren Schlafzimmer im Bundesstaat Louisiana zusammen, um zusammen mit Mitgliedern der Olivia Tremor Control und Apples in Stereo die Band Elephant 6 zu gründen, aus denen dann das neutrale Milch-Hotel wurde. Und genauso abgedreht wie sich das ganze anhört, ist auch diese Musik. Psychedelia meets FolkPop könnte man das betiteln, was sich da 40 Minuten lang als klassisches LoFi-Produkt durch die Membranen drückt, wobei man allerdings vor der Instrumentenfülle, die da aufgefahren wird, schon mal ehrfurchtsvoll die Mütze ziehen muß. Neben der üblichen Grundinstrumentation der Pop-Musik treiben da noch Trompeten, ein sogenanntes „Zanzithiphone” (weiß einer was das ist?), Uillean Pipes, Akkordeons, Banjos, Kurzwellenradios und allerlei undefinierbares Gedöns ihr Unwesen. Und über alle dem schwebt, nein schwurbelt die unnachahmliche Stimme von Jeff Mangum, der alle seine Eingebungen in Form von Emotionsladungen und expressionistischen Gefühlsregungen geradezu überkandidelt in die Welt hinausposaunt, so als gebe es kein Morgen mehr. Diese Kombination muß es sein, die diese Platte zum angelichen Kult-Renner macht und beispielsweise einen Vic Chestnut zu Begeisterungsausbrüchen hinreist, wenn der nach seiner Lieblingsband befragt wird.
Zugegeben: nach einem skurrilen Trauermarsch wie „The Fool” oder nach einem akustischen acht-minütigen Solo-Marathon mit Quäkhorn-Begleitung wie „Oh Comely” sind in der Tat einige respektierliche Gedanken ob dieser verschrobenen Wundersamkeit nicht ganz unangebracht. Und wenn man sich die Eingangstrilogie vom „König der Karottenblumen” (und nicht nur die) mehrmals hintereinander antut, ergeht es einem vielleicht genauso wie dem Franz Ferdinand Mitglied Bob Hardy, der mit dieser Mucke angeblich zwei Jahre lang seinen automobilen Cassetten-Player strapazierte. Also irgendwas muß wohl dran sein an diesem Album.

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