Neue Platten

CocoRosie - Noah’s Arc

Genre: Weird Pop
Label:Touch & Go (Soulfood)
CD, VÖ - 13.09.2005

CocoRosie sind erwachsen geworden. Glich ihr erstes Album noch einem autodidaktischen Feldversuch, einen Tonträger im Kinderbaukastenstil zusammenzunageln, so ist dieser Nachfolger doch ein wesentlich reiferes Produkt im Umgang mit der Studiotechnik geworden. Das sind aber nur die rein handwerklichen Gesichtspunkte, die weit hinter den großartigen Momenten zurückstehen, mit den die beiden Brooklyner Schwestern Bianca und Sierra schon zu Zeiten von „La Maison den Mon Rêve” aufwarten konnten. Und auch auf der kompositorischen Seite, so scheint es, haben sie enorme Sprünge nach vorn gemacht. Denn so verschroben „Noah’s Arc” auch wieder geworden ist, es hört sich homogener und flüssiger an als der Vorgänger, ist aber dennoch um eine ganze Dimension tiefer geworden.
Das Grundkonzept des Debuts bleibt indes unverändert. Schräge Nummern mit noch schrägerer Instrumentierung und mega-schrägen Stimmlagen stehen gegen traumwandlerisch holde Pianoläufe, zarte Harfenklänge, Akkordeon und akustische Gitarren, werden von undefinierbaren Geräuschkulissen untermauert, kreuzen sich mit Pferdewiehern, Katzenmiau, Operngesang, Telefongeklingle und Spieluhren und werden so zu einem skurrilen Ganzen, das trotzdem eine eigentümlich heimelnde Faszination ausübt, die mal an verträumte Björk-Nummern erinnert, aber auch an ein Folk-Konzert in einem New Yorker Untergrund-Keller oder an einen Sonntag-Vormittag auf einem Pariser Vorortflohmarkt.
CocoRosie alias Bianca & Sierra sind das, was man explizit unter Künstler-Freaks versteht. Kein Schuh der ihnen passt, kein Schema, das man auf sie anwenden könnte, keine Schublade, in die sie sich einordnen ließen. Optisch eine Mischung aus androgynen Indianersquaws und Hippiekultur-Überbleibseln, leben sie in einer hermetisch abgeschiedenen Welt, wie es scheint, wo sich Phantasie und Expressionismus Grüß Gott sagen, wo in den wundersamen Texten Christliches und Heidnisches mit sexuell expliziten Anspielungen konkurrieren. Ein magisches bis melancholisches Sammelsurium an schöpferischer Artenvielfalt, gegen den unsere banale Realität einfach nur banane wirken muß. Ein Album voller Gegensätze, aber ungemein geschmeidig und so völlig losgelöst von jeglichen Konventionen.

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