Neue Platten

The Enlighted Family - (V. A.)

Genre: IndieFolk
Label:Voodoo Eros (Cargo)
CD, VÖ - 13.09.2005

CocoRosie-Freunde wird’s freuen: nachdem die beiden Schwestern bereits mit ihren beiden existenten Alben in Fachkreisen ein mittleres Begeisterungs-Erbeben ausgelöst haben, hat sich nun die eine CocoRosie, Bianca Casady, dazu entschlossen, ein eigenes Label aufzuziehen. Voodoo Eros ist der Name und Programm zugleich. Was liegt da näher, für das Debut-Album als erstes einmal den Personenkreis auszuloten und vorzustellen, der eng mit der Geschichte von Bianca und Sierra in Zusammenhang steht. Wer die beiden Mädelz kennt, wird sich schon denken könne, daß dabei kein stereophones Hi-End-Teil draus geworden ist. Die „Collection Of Lost Songs” ist also eher ein Album mit Bootleg-Charakter, weil dort sowohl völlig verzitterte Billig-Cassettenaufnahmen, als auch grottenschlecht ausgesteuerte Kneipenrecordings zum Einsatz kamen, aber auch einige Tondokumente, die technisch als ganz ok durchgehen können.
Die Liste der Beteiligten liest sich einigermaßen interessant: der pubertierende Devendra Banhart ist der mit den beiden krakeligen Songs, die er sich einst für eine Geburtstagsparty aus den Hirn geleiert hat, Bianca-Schwester Sierra taucht mit einer düster-morbiden Klavieretüde auf, Folk-Ikone Vashti Bunyan wird mit einer uralten Folkweise aus der späten 60er-Jahre-Rumpelkammer vorgestellt, Patrick Wolf bringt kammermusikalische Akustiktöne aus dem Sägewerk zu Gehör, die völlig durchgeknallten Franco-MCs Spleen & Zen quieken sich in einer undefinierbaren Sprache durch gebreakte Holperbeats und ein Künstler namens J.H.T. verklickert in einer Musik-Spelunke einem grölenden Publikum, warum er immer noch am Willie seines Freundes rumnuckelt.
Etwas seriöser der geheimnisvolle Instrumentalopener der Metallic Falcons, der so gar nichts mit Metall zu tun hat, sondern eher ein Soundtrack zu Alice in Wonderland sein könnte, etwas sehr experimentell die Geschichte vom „Sex mit einem Hai” und sehr folkloristisch die Beiträge der Damen Diane Cluck und Jana Hunter. Last but not least ein poppig-souliger Lovesong einer gewissen Nomi.
Wer sich also tapfer durch dieses heterogene Mosaikwerk gehört hat, wird CocoRosies und Devendra Banharts seltsam versponnenes Umfeld noch wesentlich besser verstehen können. Und das ist bekanntermaßen ja nicht ganz uninteressant.

www.voodooeros.com