Neue Platten

Jewrhythmics - Jewrhythmics

Genre: Discoklezmer
Label: Essay Recordings (Indigo)
CD, VÖ: - 27.01.2012

Sind Annie Lennox und Dave Stewart jetzt zum jüdischen Glauben übergetreten und feiern nun ein geläutertes Comeback? Mitnichten. Die Jewrhythmics sind neu in der Branche und benutzen einfach nur dieses gescheite Wortspiel, um mal wieder was Neues aus dem Hut zu zaubern und die Popwelt mit einem neuen Hype zu beglücken. Allerdings hält sich das Trio noch sehr bedeckt, was die Personalien angeht. Soviel steht jedenfalls fest: Die geografischen Pole sind New York, Moskau und Tel Aviv, ein gewisser German Popov alias OMFO hat seine Hände mit im Spiel, auch treibt ein Moskowiter namens Vladimir Lomberg hier sein Unwesen und das Ganze spielt sich in einer nachempfundenen Disco-Trash-Umgebung der 70er/80er ab. Jiddish meets Oberheim-Synthesizer, Klezmer goes Roland-Keyboards und Schtetl turns Moog Prodigy. Analoge Billig-Elektronik trifft also auf klassische Instrumente wie Akkordeon und Klarinette. Der Mittlere Osten geht in die Tanzflur-Offensive. Die Jewrhythmics reanimieren die totgesagte Sprache Jiddisch, geben der Pop-Szene neue Impluse und hoffen auf einen Senkrechtstart. An anderer Stelle auf unseren Seiten haben wir bereits auf einen gewissen Joe Fleisch hingewiesen. Und der ist wiederum einer der Gastsänger auf diesem Album („Misirlou“). So langsam füllt sich also das Personal-Mosaik. Musikalisch bleibt man schön auf dem Drum-Computer-Teppich, wenngleich der traditionelle Klezmer dabei fast hinter jedem Notenschlüssel hervorlugt. Das Repertoire bewegt sich zwischen jiddischen Klassikern und Gassenhauern. „Hava Nagila” oder „Chiribim” treffen wir beispielsweise in „Bronski Beat”-Tracht an, „Ich hob dech lib” in schicker Pet Shop Boys-Verkleidung. So geht das knapp eine Dreiviertelstunde lang. Ob das ein beachtenswerter Renner wird, bleibt abzuwarten. Schlecht ist es jedenfalls nicht.

www.jewrhythmics.com