Neue Platten

Jonas Schoen Sextet & Steve Swallow - Agnostic Chant Book

Genre: Jazz
Label: Schoener Hören Music (NRW Vertrieb)
CD, VÖ: - 27.01.2012

Jazz ist die hohe Schule, wenn nicht sogar die Universität, der U-Musik. Zumindest ist es von Vorteil, einen gehobenen Geisteshorizont zu haben, um dem folgen zu können, was Jazzmusiker so manchmal von sich geben, musikalisch wie literarisch. Beim Album „Agnostic Chant Book“ von Jonas Schoen sollte man sich also erst einmal mit dem Begriff „agnostisch“ auseinandergesetzt haben. Wikipedia hilft: „ Der Agnostizismus … bezeichnet die philosophische Ansicht, dass bestimmte Annahmen – insbesondere theologischer Art, welche die Existenz oder Nichtexistenz eines höheren Wesens wie beispielsweise eines Gottes betreffen – entweder ungeklärt oder grundsätzlich nicht zu klären sind.“ Aha. Nur wie man diese Aussage mit dem „Jäger aus Kurpfalz“ auf einen Nenner bringt, bleibt erst einmal im Unklaren, denn diese Volksweise aus urdeutschen Landen ist das musikalische Hauptthema jenes Albums. Und bevor wir an diesem Mysterium verzweifeln, hören wir doch einfach mal in dieses „Chant Book“ rein, bei dem übrigens nur die Instrumente den Ton angeben.
Hier treffen zwei Größen des Genres aufeinander. Saxophonist und Bassklarinettist Professor Jonas Schoen gehört zur VIP-Klasse des deutschen Jazz. Steve Swallow, gut 20 Jahre älter, bekannte US-amerikanische Bass-Legende. Der Rest des 7-köpfigen Ensembles besteht aus Schoens Sextet-Kollegen - Sandra Hampel (Gitarre), Buggy Braune (Piano), Heinz Lichius (Schlagzeug), Pepe Berns (Bass) und Robby Geerken (Perkussion). Das agnostische Gesangsbuch glänzt vor allem durch seine warme Emotionalität, die hin und wieder unterbrochen wird von eruptiver Erregung einzelner Musiker, ein allseits bekanntes Phänomen, ohne das der Jazz nicht auszukommen scheint. Konzentriert sich die Kombo aber auf Klangfarben und Melodien, kann man sich wunderbar entspannen, bekommt (vor allem von Sandra Hampel) etwas Pat Metheny-Feeling geboten und kann sich an der allseits vorherrschenden Harmonielehre erfreuen. So reitet denn die besagte Jägerschar dank bester und teilweise sehr intimer Improvisationsarbeit durch ihren grünen Wald und schießt wunderbare Stücke daher, gleich wie es ihr gefällt.

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