Neue Platten

Hurdy Gurdy - Hurdy Gurdy

Genre: FolkPop
Label:Westpark Music (Indigo)
CD, VÖ - 19.09.2005

Wer erinnert sich noch an den „Hurdy Gurdy Man“? Der Hippie-Bruder Donovan feierte mit diesem Song exakt 1968 große Erfolge und der deutsche Radiomoderator übersetzte damals diesen Titel brav und etwas ungelenk mit „Leierkastenmann”. Der die das Hurdy Gurdy kann aber durchaus auch als „Drehleier” bezeichnet werden, ein Instrument, das man heute selbst in der hiesigen Folkszene suchen muß, wie Nuggets im Clondyke. Ok, in Österreich war mal eine Gruppe eine Zeit lang im Schwange namens „Deishovida” (zu deutsch: die schon wieder) und dort leierte sich ein gewisser Matthias Loibner mit einer Drehleier den Wolf. Ansonsten weitestgehend Fehlanzeige im mitteleuropäischen Akustikmarkt. Außer in Scandinavien und dort speziell in Schweden boomt die Sache mit dem mittelalterlichen Instrument, wenn auch erst wieder seit Donovan Zeiten. Stramme 10.000 Nykelharpa-Spieler soll es derzeit im Land von Karl-G. & Sommerlatte geben. Zwei davon haben sich gar nach diesem Instrument benannt. Es sind Totte Mattsson (Hedningarna) und Stefan Brisland-Ferner (Garmana). Und ihr erstes gemeinsames Album „Prototyp” soll neue Seiten aufziehen in Folk-Zirkus. Denn beide sind Drehleier-Freaks mit dem Hang zum Außergewöhnlichen. Einfach leiern kann jeder. Aber eine Nykelharpa ordentlich verkabeln, sie mit den Stilmitteln der Mac-Programmierung zu kombinieren und sie in einem Umfeld von Beats & Sounds einzusetzen sowie mit dicken Basslinien zu polstern, das gab’s bisher noch nicht. Folglich kann man den „Prototyp” getrost als folkloristisches Neuland bezeichnen, das ziemlich interessant anzuhören ist. Leider verrät uns das Booklet nicht, mit welchen Instrumenten bzw. Hilfsmitteln (außer den Hurdy Gurdies) die beiden sonst noch so zugange waren. Dem Gesamtklang und den angegebenen Overdub-Hinweisen nach zu urteilen, wurde nicht nur kraftvoll an der Kurbel gedreht, sondern auch ordentlich mit ausgefeilter Studiotechnik gearbeitet. Trotzdem steht der eigentümliche Fiedelsound der Drehleiert stehts im Mittelpunkt und wie Brisland-Ferner bereits treffend im Info-Blatt formuliert, die Nykelharpa ist ein mittelalterlicher Synthesizer, dessen Klang durch nichts anderes ersetzbar ist. Dem ist nichts hinzuzufügen, außer daß sich Hurdy Gurdy von 0 auf 100 zu einer nicht zu verachtenden Bereicherung des FolkPop-Marktes beschleunigt haben.

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