Neue Platten

Lazlo - Lazlo

Genre: Electro-Swing
Label: ChinChin Records (Nova MD)
CD, VÖ: - 02.03.2012

Wer die legendären Swingjahre des letzten Jahrhunderts noch live miterlebt hat, der traut sich heute allenfalls noch mit den Rollator in die Nähe von Tanz­brettern. Hot Club de France, Billie Holiday, Count Basie - große Namen mit viel Schwung im Blut und ein schlagender Beweis, wie aus Jazz Mainstream wurde. Wer heute swingen möchte, geht entweder in den Swinger-Club oder greift in den gut sortierten Fachhandel, wo es die alten Recken und deren Tanzmusik nun in elektrifizierter Version schick aufbereitet gibt. Mitverantwortlicher Vorreiter der Elektro­swing-Welle war der Österreicher Klaus Waldeck, Nachahmer und Mitschwimmer waren schnell auf dem Trittbrett bzw. Startblock (siehe unten). Einer der erst vor kurzem Anlauf zum Aufsprung genommen hat, ist Paul Hézard alias „Lazlo“ aus dem mediterranen Marseille. Auch er ist dem Swing verfallen und kombiniert alte Beats mit funkigem Tanzflur-Ambiente aus der Steckdose. Nur leider hat Lazlo etwas zu dick aufgetragen, hat den vorwiegend instrumentellen Vintage-Sound zu hastig und kompromisslos durch sein umfangreiches Technik-Equipment gepresst. Speziell die mit „Remix“ gekennzeichneten Stücke seiner CD gehen einem mit ihrem Stakkato aus aneinandergeschraubten Versatzstücken gehörig auf den Zeiger. Zu leblos und kalt mutet die Arbeitsweise an - was hier fehlt ist die Seele. Schlimmes Beispiel in dieser Richtung ist „How High the Moon“ aus der Feder von William M. Lewis und Nancy Hamilton. DJ-Skills killed the Swing Star. Wie soll ein Mensch das genießen, wenn einem ständig Holperbeats und Stottergimmicks ins Gehörzentrum geworfen werden. Elektroswing und Wuffta-House gehen ja noch einigermaßen gut zusammen, technoider Firlefanz aber, wie ihn Lazlo hier allzu oft einsetzt, macht dem Hörspaß schnell den Garaus. Einzelne Tracks für sich genommen, machen ja vielleicht sogar durchaus Spaß, die volle, fast 70-minütige Kompaktdröhnung, ist im Endeffekt aber eher nervig. Um daraus ein stilvollen Hörgenuss zu machen, hätte der Paule mit dieser Grundsubstanz wesentlich einfallsreicher und einfühlsamer umgehen müssen.

www.chinchin-records.com

Mehr Elektro-Swing:
Waldeck - Ballroom Stories
Parov Stelar – Coco
Tape Five - Tonight Josephine!