Neue Platten

Jürgen Attig - Aventureiro

Genre: Jazzrock
Label: Columbia (Sony)
CD, VÖ: - 23.03.2012

Der 21. September 1987 war sicher nicht nur für die weltweite Bassistengilde, sondern auch für jeden aufrechten Jazzfan eine Art Weltuntergang. Das tragische Abtreten von Jaco Pastorius wirkt in vielen Köpfen bis heute nach, denn bis dato konnte kaum ein anderer Bassist einen derartigen Kultstatus aufbauen und so viele Nachahmer auf den Plan rufen wie der Mann aus Pennsylvania, der am Ende das Opfer eines gewalttätigen Türstehers wurde. Auch Jürgen Attig gehört zu den Pastorius-Infizierten. Der Hildesheimer Dicksaitenzupfer hat gleich sein komplettes Debutalbum dem amerikanischen Bassisten gewidmet. Debut - das klingt nach einem Jungspund. Nachforschungen haben allerdings ergeben, dass Attig den Bassisten-Gott bereits um gute 14 Jahre überlebt hat, er also schon im 5. Lebens­jahrzehnt steht. Der Grund für seine spät zündende Solo-Karriere: Bislang bediente Attig seine jeweiligen Arbeitgeber über lange Jahre hinweg im Hintergrund, darunter so prominente Namen wie Dave Weckl oder Hiram Bullock. „Aventureiro” ist dafür nun Attigs ganz persönliches Baby und läßt den guten Jaco gleich mehrmals wieder auferstehen. Will sagen: Dem Herrn Attig ist ein perfektes Remake alter Pastorius-Zeiten gelungen, Weather Report/Joe Zawinul-Reminiszenzen inklusive, aber dennoch mit deutlich eigener Handschrift. Zusammen mit einer illustren Crew und der Unterstützung von Pastorius-Witwe Ingrid hat er eine dichte und sehr spannende Mischung aus Rock und Jazz geschaffen, hat seiner Vorliebe für südamerikanisch/karibisch/brasilianische Musik freien Lauf gelassen und unterfüttert das alles mit seiner fein austarierten Fingerfertigkeit. Ein wegweisender Trip in die Zukunft mit einem aufmerksamen Blick in den Rückspiegel.

www.juergenattig.com