Neue Platten

Bruno’s Boogaloo Orchestra - Friday’s Funk

Genre: Funk
Label: Rodenstein Records (mvh)
CD; VÖ: - 10.04.2012

Lokalmatadore, die von einer heimischen Sympathiewelle getragen werden, wollen ihrer treuen Gefolgschaft naturgemäß immer auch etwas zurückgeben. Am besten funktioniert das in Form einer musikalischen Hinterlassenschaft, sprich einer CD, die ein immer wieder reproduzierbares Erinnerungs­potenzial in sich birgt. Der Qualitäts- oder Originalitätsfaktor spielt dabei eine eher untergeordnete Rolle, Hauptsache man kann in alten Zeiten schwelgen, erst recht, wenn diese einfür alle mal Historie sind. Eingedenk dieser Tatsache hält sich ein „Wie geil ist das denn” für diese CD von gänzlich außenstehender Warte in engen Grenzen.
Wie kommt’s? Tilman Bruno’s Boogaloo Orchestra war die Hausband eines Clubs namens „Der Rote Salon” und der war ein Jahr lang die Pilgerstätte für Mannheims Funk-Apostel. Jeden Freitag gab’s dort Stimmung, von James Brown bis Ray Barretto, von den Isley Brothers bis Deodato. Avantgardistische Laborarbeit Fehlanzeige, dafür gediegene und langzeiterprobte Popwerkskunst für die gesetzteren Jahrgänge. Der Perkussionist Tilman Bruno ist aber beileibe keine müde Couch-Kartoffel, die nie über den Rand des Rhein-Neckar-Kochtopfes hinausgespäht hätte. Er ackerte beispielsweise für BAP, Cassandra Steen oder Stoppok, allerdings auch für Max Mutzke oder Vicky Leandros. Seinen internationalen Erfahrungsschatz sammelte er unter anderem in den USA und auf Kuba. Dann also das einjährige Intermezzo in Mannheims Industriehafen, dessen Ergebnis - „Friday’s Funk” - er als Dankeschön an sein Publikum und die damalige Hauscrew verstanden wissen will. Heute sitzt Bruno hauptsächlich in Berlin und hat dort ein eigenes Tonstudio, pendelt aber immer noch nach Mannheim zu seinem Job als Dozent für lateinamerikanische Perkussion. „Friday’s Funk”mit seinem „unvergesslichen Feeling” ist trotz hehrer Absichten nichts anderes als biedere Hausmannskost auf zugegeben hohem professionellem Niveau allerdings. Um trotzdem mal einen Vergleich zur Aperitif-Branche zu bemühen: „Friday’s Funk” ist eher ein Tetrapak-Tomatensaft aus der Cathay Pacific Lounge, als ein leckerer Aperol-Spritz in einer Römischen Nacht-Bar.

www.rodensteinrecords.com