Neue Platten

Photek - DJ-Kicks

Genre: Elektro
Label: !K7 (Alive)
CD; VÖ: - 13.04.2012

DJs leiden ja schon mal ganz gerne unter ein wenig Selbstüberschätzung. Hängt vielleicht damit zusammen, dass sie es lieben, die Massen zu führen und in dieser Eigenschaft dann meinen, zu einem kleinen Messias zu mutieren. Auch Rupert Parkes aka Photek ist nicht ganz frei von diesen Anflügen. Wenn er beispielsweise behauptet, sein Beitrag für die kultige DJ-Kicks-Serie sei eine „klassische Hörerfahrung”und dies dann mit der enormen Bandbreite von „Styles” begründet, die er hier aufgefahren habe, ist verstärkt kritisches Gehör gefragt. Sicherlich, Photeks Set ist gut durchhörbar, enthält eine ganze Latte ineinander verwobener chilliger Einzelstücke und hat auch sicher den einen oder anderen spannenden Moment dabei, wo entweder sogenannte „Schlüsseltracks” aus der Vergangenheit zitiert werden oder er mit einer dichten Atmosphärik jongliert. Aber eine Vielzahl an „Styles” ist nur schwerlich zu entdecken. Es sei denn man definiert die mannigfaltigen Substyles des Elektrogenres, um die es hier geht, als eigenständige Hauptgattung. Insofern neigt Photek hier etwas zum Seemanns- bzw. DJ-Garn. Wer nämlich die wahre Bandbreite eines DJs erfahren will, der höre sich mal die Private Collection von Richard Dorfmeister an. Photek dagegen bewegt sich letztendlich dann doch nur innerhalb von einem sehr überschaubaren Radius.
Was seine Kick-Tracks angeht, fährt Parkes vor allem Genretypisches auf, ambiente bis trancige (Dancefloor)-Tracks, die er gerne als „weird” bezeichnet. So z.B. „In 2 Minds” von Kromestar, eine magische Düsteratmo-Nummer im Zeit­lupen­tempo, eine schöne Art-of-Noise-Replika. Oder das nervös-flirrende „Dead Eye” von Baby Ford, das trotz aller zittrigen Beats komplett ohne Drum-n-Bass Anteile auskommt, die Photek in seiner Hoch-Zeit gerne zur Anwendung gebracht hat, die aber heute nur noch nerven würden. Nach 65 Minuten bzw. dem 19-teiligen Mix geht dieser Blick hinter den persönlichen Vorhang von Rupert Parkes zu Ende. Fazit: Wir waren Zeuge einer gut durchkonstruierten und reichhaltigen, individuellen Werkschau eines erfahrenen DJs, konnten aber keine Anzeichen von „klassischer Hörerfahrung” feststellen.

www.k7.com
www.dj-kicks.com