Neue Platten

Café Sputnik - (V. A.)

Genre: Russian Electronic Exotica
Label:Eastblok (Alive)
CD, VÖ - 19.09.2005

Es scheint, als haben wir es hier mit einem ziemlich pfiffigen Label zu tun. Eastblok Records aus Berlin haben in ihrer jungen Geschichte zwar erst gerade mal vier Pferdchen am Start, aber dafür zeichnen die sich durch eine ziemlich wilde Promenadenmischung aus und das ist in musikalischen Züchterkreisen ja bekanntlich alles andere als ein Makel. Je abgefahrener oder exotischer ein Produkt, desto höher der Beliebtheitsfaktor. Und auch diesmal haben die Ostblockler wieder weder Kosten noch Mühen gescheut, uns ein ganz besonderes Schmankerl feilzubieten, das – ganz in der Tradition des Hauses – tief ins Herz der uns immer noch so fremden russischen Klangwelt eindringt. Ein Vorstoß mit vielleicht ungeahnten Folgen, denn wenn sich diese Schiene weiterhin so positiv entwickelt, wird es sicher den einen oder anderen Trittbrettfahrer geben.
Was erwartet uns nun auf Café Sputnik? Zunächst einmal eine randvoll zugepackte Wundertüte mit 20 bemerkenswerten Kunststückchen aus den Bereichen Science-Fiction-Musik, analoger Elektronik-Bastelei und psychedelischen Loungebeats, ein skurriles Sammelsurium aus Tchaikovsky, Balalaika, Kraftwerk, Wolga-Dub, Heldenmärschen, Kinder-Disco, Sowjet-Jazz und Retro-Sounds, die zum Teil noch aus der glanzvollen Kommunisten-Ära stammen, als das russische Sandmännchen noch ein vielbeschäftiger, heldenhafter Kosmonaut war.
Die heutigen Musiker der russischen Lounge- und Elektronika-Szene besitzen den ungemein wertvollen Vorteil, daß sie zwar wissen wie’s produktionstechnisch im einschlägigen Westen zugeht, sie sich in ihrer Schaffenswut aber vor allem auf ihr nationales Erbe, die traditionellen Errungenschaften ihrer Kultur und nicht selten auf verstaubte Technik berufen und dies ergibt eine ungemein abwechlungsreiche Mischung aus autodidaktischer Sample-Technik, antiquierten Musikrobotern und hausgemachter Alternativ-Folklore, wie sie einem in dieser Zusammenstellung bislang noch nicht untergekommen ist. Ob das nun die vor Melancholie nur so triefende Reise eines russischen Matrosen nach Brasilien ist, das verrückte Schnipseltheater der beiden DJs Boris und Georgi (beide übrigens schon knackige 66 bzw. 67 Jahre alt), die fossilen Fundstücke aus russischen Schallarchiven, liebenswerte Gitarrenpolka, lockerer Moskwa-Surf oder an japanischen Girlie-Pop erinnernde Müsli-Musik – diese Platte schreit förmlich nach ungeteilter Aufmerksamkeit und einem Ehrenplatz im Musikregal.

www.eastblokmusic.com
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