Neue Platten

Women Care - (V. A.)

Genre: Afro Pop
Label:Strange Ways (Indigo)
CD, VÖ - 19.09.2005

Eigentlich keine schlechte Idee, mit musikalischen Mitteln der afrikanischen Frau, der Mama Africa, ein Denkmal zu setzen. Aber wie so oft in solchen Fällen bleibt die Ausführung auch hier hinter den gestellten Erwartungen etwas zurück, denn wenn bei solch einem Vorhaben allzuviel westlich angehauchte Popelemente mit ins Spiel gebracht werden, tappt man nur allzu leicht in die Kommerzfalle. Zur Ehrenrettung dieser CD sei allerdings gesagt: es hätte schlimmer kommen können.
An sich ist die norwegische Kulturwerkstatt Kirkelig als Initiator dieser CD ja eine respektable Plattenschmiede, die sich mit teilweise recht höhrenswerten Tonträger-Produkten schmücken kann. Im vorliegenden Fall haben sie sich mit den CARE-Organisationen von Norwegen, Madagaskar, Mali und Tanzania zusammengetan, um mit weiblicher Prominenz diesen Stein der Hommage ins Rollen zu bringen. Vier afrikanische Sängerinnen haben sich zu diesem Zweck mit vier Norwegerinnen zusammengetan und aufgenommen wurde alles – der Autentizität zuliebe – im tansanischen Dar-es-Salaam. Soweit die Fakten.
Was einem an diesem Album aber leider etwas sauer aufstößt, ist die Tatsache, daß es schlicht und ergreifend zu mainstreamig ausgefallen ist. Dies geht weniger auf das Konto der schwarzen Sängerinnen (Chiwoniso, Talike, Marie Daulne, Tigist Bekele) und deren weißen Counterparts (Unni Wilhelmsen, Annelie Drecker, Lynnie Treekrem, Simone), als vielmehr auf das der norwegischen Produzenten, die dafür gesorgt haben, daß die hier eingeschlagene Kunstschiene mit dem geschönten Folklore-Pop angesichts der zugrundeliegenden Thematik eher unangebracht erscheint. Da wirken traditionelle Instrumente wie Daumenklavier, Ngoma, Kalimba oder Djembe leider dann doch eher als schmückendes Beiwerk für eine Damenmannschaft, die sich offensichtlich in die falsche Ecke hat manövrieren lassen. Am schlimmsten äußert sich dies im 8-kehligen Showdown, dem Track „Song for a Modern Woman”, den man nicht einmal dem Eurovision-Songcontest zumuten möchte. Nicht viel besser die R & B- und Blues-Adaptionen oder Tracey Chapmans „Fast Car”. Einzig Chiwoniso und Talike können mit ihren Beiträgen einigermaßen überzeugen. Eine taffe Mädelsband wie ALIF aus dem Senegal, die die Frauenthemen des schwarzen Kontinents weitaus beherzter angeht, ist mir dann doch etwas lieber, weil authentischer.

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