Neue Platten

Randi Tytingvåg - Grounding

Genre: IndiePop
Label: Ozella Music (Galileo MC)
CD, VÖ: - 27.04.2012

Wasser auf unsere Mühlen. Waren wir bei Randi Tytingvåg’s drittem Album „Red“ der Meinung, dass der Inhalt ein eher schlappes Auslaufmodell in Sachen Popjazz war (siehe Review zu „Let Go“), so fühlen wir uns nach Erscheinen des vierten Album in diesem damals geäußerten Verdacht mehr als bestätigt. „Grounding“ hat sich nämlich komplett von seinem Vorgänger gelöst, es wurde mit einer neuen dreiköpfigen Band eingespielt und erfreut sich nun bester Songwriter-Gesundheit. Ein Album mit starker Indie-Affinität, frei von angestrengter Popjazzlast, voll von Anspielungen in Richtung Americana/Country und immer mit einem mehr oder weniger stark ausgeprägten Rock-Ruck. Die Norwegerin scheint nun endlich in einem Genre angekommen zu sein, in dem sie sich rundum wohlfühlt. Und das merkt man den elf Songs bei jedem Akkord an. Alles ist sehr sensibel und stimmig aufbereitet, mit viel Gefühl für Melodie und Text versehen, eine Lehrstunde in popmusikalischer Basisarbeit. Hin und wieder brechen urplötzlich schräge Gitarrenriffs auf, verleihen dem Set eine kantige Schärfe und einen ungeduldigen Vorwärtsdrang, um kurz darauf wieder in kammermusikalische Eleganz einzuschwenken. Das Konzept, die Songs auf ihre einfachen Grundstrukturen zu reduzieren und nur bedingt mit schmückendem Beiwerk zu versehen, ist hier voll aufgegangen. Gerade mal ein paar Gitarrenmodelle, diverse Keyboards, konzentriertes Schlagzeug und eine routinierte, ausdrucksvolle Stimme sind vonnöten, um die Songs von „Grounding“ auf festem Mutterboden zu halten. Doppeldaumen.

www.tytingvaag.no