Neue Platten

Tann - Jardim

Genre: IndieJazz
Label:Eigenvertrieb
CD, VÖ: - 30.04.2012

„Die Zeiten in den alte, verschrumpelte Männer auf ihren Saxophonen alterierte Melodien spielen und dabei fast vom Stuhl fallen sind vorbei!” (Originalzitat Tann). OK. Nicht nur dicke Lippe, sondern auch noch Rechtschreibfehler. Die facebook-Generation nimmt es damit scheinbar nicht so genau. Hauptsache erst mal dick aufgetragen, um in die Gesprächsrunde zu kommen. Insofern hat das Dresdner Trio „Tann” von Dirk Haefner (Gitarre), Demian Kappenstein (Schlagzeug) und René Bornstein (Bass) erste publizistische Erfolg zu verzeichnen. Wer allerdings nun die „alten Männer” sind, das würde dann schon interessieren. Etwa John Coltrane, Klaus Doldinger oder Max Greger? Zumindest haben die schon mal die Reife eines langen künstlerischen Lebens vorzuweisen, was die junge Garde von Gesichtsbuch und Co erst einmal noch vor sich hat, so sie denn nicht sowieso irgendwann mal als verkrachte Existenz oder als Sachbearbeiter beim Finanzamt endet. Nun denn, „Tann” finden sich sexy, wollen durch Spass an der Musik überzeugen und „clashen” rumpelnde Beatz. Musikalisch kickt man sich die Bälle zu, verbiegt die Rhythmik, dribbelt einen Holterdiepolterkurs und nennt das Ganze dann Indie. Was aber musikalisch übrig bleibt, ist ein Indiejazz-Trio, das sich zwar wie alle Newcomer vom Rest der Welt abheben will, aber im Grunde genommen das macht, was viele andere dieses Genres und in dieser Besetzung auch machen: stinknormale Mucke für alternative Geister. Das hat John Scofield so gemacht wie er jung war, vermutlich auch Terje Rypdal oder Marc Ribot. So grundlegend neu ist das, was Tann auf „Jardim” machen, also nicht. Aber immerhin ganz gut. Man will eben wahrgenommen werden. Vom Stuhl fällt man deswegen aber nicht unbedingt.

www.tannjazz.de
www.renebornstein.de