Neue Platten

Debbie Clarke - Manhattanhenge

Genre: Pop
Label: Starwatch Music (Warner)
CD, VÖ: - 11.05.2012

„Sie ging vom Dorf in die Metropole, stieß ihren Lebensplan als klassische Sängerin um und schaffte es, mit einer E-Mail einen legendären Produzenten zu gewinnen …”. Kurze Zeilen sind manchmal wie offene Bücher. Hier riecht es förmlich nach dick aufgetragener Publicity. Und man wird nicht enttäuscht. In der Newcomerin Debbie Clarke aus Wales vermutet Warner Music nicht nur eine neue Adele, sondern auch das dicke Geschäft. Klotzen statt kleckern heißt in diesem Fall die Devise. Make-up-Stylisten, sattes Promo-Kit, aufwändiges Booklet, hochwertiges Jewel-Case, das volle Programm. Was steckt aber nun dahinter? Nun, Debbie Clarke hat Stimme, zweifelsohne. Aber gute Stimme ist eben nicht gleichbedeutend mit tollem Album. Und da sieht es nämlich eher mau aus. Tony Visconti (das ist der o.g. Produzent und Macher von u.a. T Rex, Thin Lizzy, David Bowie) hat alle Strippen seines Könnens gezogen, um aus der ambitionierten jungen Frau einen Clon von Mary Hopkin zu machen, mit der er vor Jahren einmal verheiratet war. Folkpop sollte es sein, bombastisch aufgedonnert und hochschwanger mit Querverweisen zu großen Namen vergangener Tage. Coverversionen von Leonard Cohen, Dave Cousins (Strawbs), Bob Dylan, Rolling Stones oder Morrissey sind unter anderem zu hören, letzterer wird ob dieser süßlichen Verwässerung von „To me you are a work of art” wohl kaum entzückt gewesen sein. Ob Tony Visconti bei dieser Aktion nun väterliche Gefühle für die 40 Jahre jüngere Debbie entwickelt hat, selige Hokpin-Zeiten reanimieren oder den Zukunftsprognosen der Plattenfirma einen soliden Unterbau liefern wollte, „Manhattanhenge” ist gnadenlos inszenierter Mainstreampop geworden und daher sicher nur was für ein Helene Fischer Publikum.

www.debbie-clarke.com