Neue Platten

Erik Sumo - My Rocky Mountain

Genre: Hungaro-Indie-Club
Label:Pulver Records (Our Distribution)
CD, VÖ - 26.09.2005

Meine latente Vorliebe für finnische und ungarische Kabinettstückchen hat mal wieder neue Nahrung bekommen. Was auf den ersten Hingucker wie ein Produkt aus nordwesteuropäischen oder US-amerikanischen Gefilden aussieht, entpuppt sich bei näherer Betrachtungsweise als ein leckeres Knusperbrötchen aus Budapest. Erik Sumo ist natürlich wieder nur ein Synonym und dahinter steht ein ganz besonders pfiffiger Pfriemler namens Ambrus Tövisházi. Und wenn ich jetzt so verklickern soll, was der gute Ambi mit seinem „Rocky Mountain” so im einzelnen genau meint, stoßen alle Einordnungsversuche ganz schnell an schier unüberwindbare Hindernisse, sämtliche Schubladen, die man so kennt, scheinen hierfür ziemlich ungeeignet. Und das ist schon mal ein erstes deutliches Zeichen auf etwas ganz besonderes.
Denn Ambi aka Erik ist einer der abgedrehten Sorte, einer der gern alles mit allem verrührt, einer der am liebsten Sample-Kompott ansetzt, dabei gerne Zutaten aus Omas Giftschrank verwendet, Sound-Erlebnisse aus jugendlichen Jahren drunterhebt, aber auch die schwer angesagten Komponenten aus der aktuellen Gegenwart nicht außer acht läßt. Und so haben wir es hier mit einer höchst hybriden Mischung aus clubtauglichem Donau-Pop, Psycho-Folk, gefährlich tiefem Geheimagenten-Dub, aufgekratzter Balkan-Disko, jamaicanischen Rasta-Riddims, Gypsy-Breaks und Morricone-Klängen zu tun, wo sich Chumbawamba-Trompeten, Doors-Orgel, der tanzende Bucovina-Shantel oder der coole Yonderboi wiederfinden, wo selbst simple Gitarrensoli zu einer abenteuerlichen Kreuzfahrt durch die Untiefen der Störgeräusch-Gewässer werden und so abgenudelten Schinken wie Gershwins Summertime gänzlich neue Aspekte abgewonnen werden. Dazu noch zwei unwiderstehliche Vokalistinnen, die einem das ganze Spektakel noch mit sirenenhafter, z. T. pseudo-francophoner Erotik versüßen und fertig ist ein 5-Sterne-Tuttifrutti, nach dem man sich alle zehn Finger leckt. Das was ein László Hortobágyi vor Jahren in höchst phantasievoller aber leider nur allzu verkopfter Musikzauberkunst vorexerziert hat, erfindet ein Erik Sumo Tövisházi wieder neu und bedient sich dabei sowohl modernster Programmier-Technik, als auch altbewährtem Live-Instrumentarium. Das wirklich originelle kommt einmal mehr aus den europäischen Randgebieten, meine Rede.

www.eriksumo.hu