Neue Platten

Kouyaté - Neerman - Skyscrapers & Deities

Genre: Jazz
Label: Nø Format (Alive)
CD, VÖ: - 18.05.2012

Duett-Musik, alter Hut? Im Prinzip ja, aber hier dennoch etwas ganz Spezielles. Auf „Skyscrapers and Deities“ begegnen sich nämlich zwei Musiker mit ähnlichen Instrumenten, die aber unterschiedlicher kaum klingen könnten. Beide Handwerk­zeuge gehören zur Kategorie der Stabspiele. Das eine nennt sich Balafon, wird vorwiegend von (west)afrikanischen Musikern eingesetzt, das andere ist das bekannte Vibraphon, und wird vorwiegend im Jazz verwendet. Das eine erdig und deftig, das andere fein und fragil. Ein ähnlicher Kultur­gegensatz bei den Musikern: der Griot Lansiné Kouyaté stammt aus Mali, lebt aber in Paris und arbeitete u.a. mit Salif Keita und Mory Kanté. David Neerman ist ein klassisch ausgebildeter französischer Jazzer und spielte u.a. mit Anthony Joseph oder Alice Lewis. Das Aufeinandertreffen dieser beiden birgt einiges an audiophilen Spezifika, wie man sie höchst selten zu hören bekommt. Und das bedeutet eben nicht zwangsläufig ein monotones Duell von zwei virtuosen Hand-Werkern, sondern eine höchst lebendige und stilvielfältige Auseinander­setzung mit Folklore, Jazz und Pop. Wenn die beiden beispielweise Serge Gainsbourg covern oder ihr Spiel mit Spoken-Word-Einlagen anreichern, entsteht ein tiefgreifendes Verständnis für musikalische Artenvielfalt, für experimentelle Klanglandschaften und für innovative Neugier. „Skyscrapers and Deities“ ist also weit davon entfernt, eine ermüdende Klöppelorgie zu sein.

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