Neue Platten

Real World Gold - (V. A.)

Genre: Crossover
Label: Real World Records (Indigo)
CD, VÖ: - 21.05.2012

Ja, ja, those were the days. Auch beim britischen Real World Label scheint dieser wehmütig angehauchte Spruch seine Gültigkeit zu haben, auch dort schaut man scheinbar nur allzugern zurück zu den Zeiten, als das Business noch rund lief, die Aufbruchsstimmung mit Siebenmeilenstiefeln angegangen wurde und die Raubkopierer von heute noch im Kindergarten den Tauschhandel mit Plastikförmchen pflegten. Vor über 20 Jahren schickte sich Peter Gabriels Mannschaft an, das Thema „Weltmusik“ mit ungewöhnlichen Veröffentlichungen neu zu erfinden und kommerziell relevant zu vermarkten. Die frühen Erfolge gaben den umfangreichen Bemühungen Recht, Real World etablierte sich schnell als hoch liegende Messlatte für vieles was da noch kommen sollte. Heute ist man allerdings bestenfalls noch ein Primus inter Pares und versucht, mit der Gold-Serie noch einmal mit den frühen Erfolgen auf sich aufmerksam zu machen. Ob man dadurch allerdings verloren gegangenes Terrain wieder wett machen kann, bleibt zweifelhaft. Denn der Versuch, mit alten Paradealben wieder hausieren zu gehen, erweckt eher heimliches Mitleid als große Bewunderung. Denn viele der musikalischen Hoffnungsträger von einst sind entweder schon im Nirwana oder in der Versenkung der Bedeutungslosigkeit verschwunden und wecken allenfalls noch bei Nostalgikern große Gefühle. Aus den Tiefen der Pop-Meere werden u.a. das Afro-Celt-Sound System, Geoffrey Oryema, The Bild Boys of Alabama, Sheila Chandra, Nusrat Fateh Ali Khan oder Yungchen Lhamo gehoben. Bei „Real World Gold“ geht es einem so, wie wenn man bei einem Umzug antike Tonbandcassetten ausgräbt oder altes Vinyl zutage fördert: man wirft mit großer Vorfreude Cassettendeck oder Plattenspieler an, um dann aber leider feststellen zu müssen, dass der alte Funke doch nicht mehr so richtig überspringt.

www.realworldrecords.com/gold