Neue Platten

Ensemble Du Verre - Sing Me Something

Genre: Elektro/Jazz
Label:Fante Records (SPV)
CD, VÖ - 26.09.2005

Ein Konzept, das nicht neu ist, aber immer wieder zu erstaunlichen Ergebnissen führt: man nehme eine nicht geringe Anzahl von elastischen Stimmartisten, schneidere ihnen einen Maßanzug aus feiner Elektronik, Jazz und Avantgarde, integriere einige ausgesuchte Live-Instrumente und verleihe dem Ganzen eine etwas unterkühlte bis geheimnisvolle Stimmung. Der Hamburger Sönke Düwer hat mit seinem Ensemble Du Verre Neuland betreten, indem er statt Instrumente in den Vordergrund zu stellen, die menschliche Stimme ins hell erleuchtete Schaufenster stellt. Und zwar sind das nicht irgendwelche No-Names, die da ihre Stimmbänder gekonnt spielen lassen, sondern eine ausgesucht respektable Reihe von Vokalisten, denen der Ruf des Experimentierfreudigen, des Ungewöhnlichen, manchmal auch des etwas Unnahbaren vorauseilt. Sidsel Endresen, Michael Schiefel, Torun Eriksen oder Ursula Rucker sind die Bekanntesten, die Hamburgerin Ute Lorenzen, Britta-Ann Flechsenhar (Flexkögel) oder Platnum aka Ruth Maria Renner (Sonar Kollektiv/Jazzanova) sind die bislang noch im Verborgenen agierenden Akteure.
Wie gut Düwer dieses alte Konzept überarbeitet hat, kann man knapp 60 Minuten lang bewundern. Trotz seiner trommlerischen Vorbildung hat er sich auf „Sing Me Something” weit in die weite Wunderwelt der programmierten Beats vorgewagt, ohne dabei ins Schleudern zu kommen. Ganz im Gegenteil, seine zum Teil sehr eindringlich und magisch angelegten Kompositionen verfolgen eine klare Linie und bereiten den Gaststars ein ideales Klangbiotop, in dem sie sich sicher und ungemein dynamisch bewegen können.
Sidsel Endresen reißt sich einmal mehr zusammen, bei ihrem Beitrag nur sehr sporadisch ihre abenteuerlichen Stimmfragmentierungs-Energien durchblitzen zu lassen und befleißigt sich statt dessen, auf Düwers transparentem Klangteppich nordisch-kühle Abgeklärtheit zu präsentieren. Ähnlich klar, nur etwas mehr in ambienter Richtung, tut dies Torun Eriksen. Für Michael Schiefel, den mundperkussiven Derwisch, ist dagegen das filigrane Festplattengetackere und das jazzhousig angelegte Wuselwerk von „Faute De Mieux” die ideale Plattform für seine verdrehten Vokalausstöße. Die großartige Ursula Rucker bleibt nach wie vor ungeschlagen, was die spoken word-Kultur auf cooler Jazzgrundlage anbelangt und Bugge Wesseltoft, eine enger Freund Düwers, veredelt schließlich mit einem meisterhaften Mix den finalen Track dieses großartige Werkes.

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