Neue Platten

Andres Böhmer & NyponSyskon - Herde i Hjätat

Genre: Jazz
Label: Kick The Flame (Broken Silence)
CD, VÖ: - 01.06.2012

Mit Andres Böhmer hatten wir es schon einmal zu tun, als er nämlich 2009 seine „Schwedische Impressionen” veröffentlichte, ein rundum gelungenes Jazzgitarrenwerk, das mit geschmeidigen Stimmungsbildern zum akustischen Verweilen einlud. Inzwischen sind rund drei Jahre vergangen und er hat, frei nach dem Motto „Wer stehenbleibt, kommt nicht voran”, ein neues Album aufgelegt, das mit einer erweiterten Besetzung aufwartet, sich aber dennoch nicht allzu weit vom bekannten Stamm entfernt. Wichtigste Neuerung: Einige der zwölf Titel wurden auf die Vokalistin Elena Schmidt-Arras zugeschnitten, eine quasi familiäre Konstellation, ist sie doch seine leibhaftige Schwester, mit der er so manches Kinderjahr in Schweden geteilt hat. Mit ihrem Stimmeinsatz soll Böhmers Vorhaben Rechnung getragen werden, eine jazzige Grundstimmung durch gesungene (nordische) Folkelemente zu bereichern, ganz so wie er das von seinem großen Inspirator Bill Frisell her kennt. Das rhythmische Fundament wird von dem Bassisten Lars Födisch und dem Drummer Fabian Hönes geliefert.
Jazz trifft also auf Folk. Zwei Welten, die gut aufeinander abgestimmt sein wollen. Auf „Herde i Hjärtat“ jedenfalls geht zumindest auf den ersten Hinhörer die Rechnung nicht so ganz auf. Zu sehr erweist sich die quellwasserreine Stimme seiner Schwester als störendes Element, zu sehr passt hier offensichtlich nicht ganz zusammen, was im Idealfall als harmonische Symbiose gedacht war. Man könnte auch sagen, der ruhige Fluss der Jazzimprovisation wird durch die vokalen Ereignisse immer wieder durch künstliche Katarakte aus seinem Bett geworfen. Mag das nun volle Absicht gewesen sein oder einfach nur den vorhandenen Resourcen geschuldet, die Verknüpfung von schwedisch-vokaler Natur- bzw. Volksliedverklärung mit lupenreinem Gitarrenjazz, speziell in dieser Form, ist schon einigermaßen gewöhnungsbedürftig und unsere Sache jedenfalls nicht. Aber vielleicht sehen Wasserwerker anderer Couleur das Ganze ja etwas weniger eng. Trotzdem: Ein reines Instrumentalalbum wäre hier sicherlich die bessere Wahl gewesen.

www.andresboehmer.de