Neue Platten

Bande Italiane - (V. A.)

Genre: Brass Punk
Label:Network Medien (Membran)
CD, VÖ: - 25.05.2012

Wer schon einmal in Italien einen etwas intensiveren Kontakt zur dortigen Landbevölkerung hergestellt hat, sei es zufällig oder vorsätzlich, dem wird vielleicht aufgefallen sein, dass auch dort im ländlichen Kulturbetrieb reichlich Blasmusik anzutreffen ist. Man spricht sogar davon, daß in Italien heute noch mindestens 5.000 solcher Blechblaskapellen existieren, die vorwiegend dem traditionellen Erbe der Lungendruckluft die Stange halten.
Der dagegen nun schon seit einer Weile anhaltende balkanische Brass-Hype ist Luftlinie ja eigentlich nur einen kurzen Vogelflug entfernt und schwappt logischerweise in zunehmendem Maße auch über die Adria in den italienischen Stiefel hinein. Vor allem in Süditalien ist daher inzwischen eine interessante Entwicklung zu beobachten, die das eine mit dem anderen verbindet, sprich italienische Blechblasmusik mit der des Balkan kreuzt. Noch hat sich diese Kunde wenig herumgesprochen, aber immerhin in Insiderkreisen einige Beachtung gefunden. So hat sich beispielsweise die italienischstämmige Funkhaus Europa-Moderatorin Anna Bianca Krause aus Köln mit dem Frankfurter Weltmusik-Label Network Medien kurzgeschlossen und zusammen hat man diese wunderbare CD aus der Taufe gehoben. Am Beispiel von fünf süditalienischen Bandas wird exemplarisch vorgeführt, welche abenteuerlichen Wellen diese Verschmelzung schlagen kann. Dabei produzieren die Italiener keine simple 1:1 Kopie ihrer östlichen Nachbarn, sondern entwickeln einen ganz eigenen volksmusikalischen Mischmasch, der sich in Sachen Dynamik, Dramatik und Gefühl absolut mit dem messen kann, was man bisher aus Ex-Yugoslavien oder Osteuropa gewohnt ist.
Die Banda Ionica ist in Sizilien beheimatet und hat vor allem Beerdigungs- und Trauermärsche im Gepäck und schlägt auf dieser CD sogar eine kühne Brücke bis ins spanische Barcelona. Opa Cupa, BandAdriatica und Municipale Balcanica sind im Salento beheimatet, haben zum Teil Exil-Albaner und andere Migranten in ihren Reihen und fügen in kreativer Weise italienische Canzone, Reggae, Jazz und Balkansounds zusammen. Die Banda Olifante schließlich ist in der Romagna beheimatet und hat bereits mit dem Klezmatics-Chef Frank London oder dem afrikanischen Koraspieler Mamadou Diabaté zusammengearbeitet. „Bande Italiane” ist eine aufregende Geschichte, speziell weil hier einmal eine ernst zu nehmende Alternative zum bisherigen Blechzirkus aufgezeigt wird.

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