Neue Platten

Daniel Prandl - Fables & Fiction

Genre: Jazz
Label:JazznArts
CD, VÖ: - 08.06.2012

Es ist immer wieder interessant zu lesen, wie Jazzmusiker ihre Kunst, die in ihren jeweiligen speziellen Teilbereichen im Grunde genommen ja immer um die gleiche Sonne kreist, stets neu begründen und als grundlegend anders von der Konkurrenz definieren. Bei dem Pianisten Daniel Prandl sieht das so aus: seine Musik baut er laut eigener Aussage auf Figuren, Geschichten und Legenden aus Literatur und Mythologie auf, er hofft also auf den zündenden Funken, der im entscheidenden Moment aus dieser geistigen Verbindung überspringt. Nur dürfe man sich das nicht so vorstellen, als lese er ein Gedicht von beispielsweise Gottfried Benn und dann entsteht im Nu ein Stück. So weit, so gut. Des weiteren benötigt er noch eine Melodie, die ihm Spaß macht. Auch ok. Drittens: Larifari lehnt er grundsätzlich ab. Verständlich. Diesen Satz kann eigentlich jeder, der ernsthaft mit Musik umgeht, unterschreiben.
Was aber dann letztendlich bei Prandl’s „Fables and Fiction” unter dem Strich herauskommt, ist wie schon oben angedeutet, nicht viel mehr, als was die Kollegen aus der gleichen Schublade zu bieten haben: Eine auf hohem Niveau agierende interaktive Improvisationsangelegenheit aus Piano, Saxophon, Bass und Schlagzeug, die, etwas vereinfacht ausgedrückt, als Einleitung ein Thema verwendet, im Zwischenteil individuelle Akzente setzt und am Ende das Thema wieder aufnimmt und zum Abschluss bringt. Gelegentliche individuelle Abweichungen von diesem Schema selbstverständlich inklusive. Prandls musikalisches Können und das seiner Kollegen stehen natürlich außer Frage. Alles Männer mit einer profunden Kreativitätsgrundlage. Dennoch bleibt dieses Album eine Standardvorstellung in Sachen Modern Jazz, die man auf jedem besseren Jazzfestival landauf landab geboten bekommt. Ob nun Kafka, Benn oder andere dabei als Pate fungiert haben, ist letztlich uninteressant.

www.danielprandl.com