Neue Platten

Martin Böttcher - Die 85 größten …

Genre: Film-/TV-Musik
Label: Warner Music
4fach CD, VÖ: - 15.06.2012

Es gibt Dinge im Leben, die einem als Jugendlichen vierspurig am Allerwertesten vorbei gehen, die einem aber mit fortgeschrittenen Jahren zumindest eine Haus­nummer mehr interessieren. Martin Böttchers Film- und TV-Melodien zum Beispiel. Was man bei alten Karl May-Filmen vielleicht so ganz nebenbei wahrnahm und bei antiken schwarz-weiß Krimischnulzen ganz einfach ignorierte - die musikalische Untermalung nämlich - verfolgt man heute mit einem gesteigerten Interesse. Und es ergeben sich Erkenntnisse, die das Lebenswerk (in dem Fall das von Martin Böttcher) - so umfangreich und vielgestaltig es auch ist - wieder etwas relativieren, den auch ein MB kann sich als Komponist nicht täglich neu erfinden und kocht auch bloß mit Wasser aus der Leitung.
85 ist er nun und daher geht ein 4er-Boxset pünktlich zum Ehrentag auf den Markt. Darin enthalten für jedes Lebensjahr eine hübsche Melodie. Freilich, von den 85 Tracks stammen bei genauerem zählen nur rund drei Viertel aus Böttchers eigener Werkstatt. Der Großteil von CD 2 mit seinen internationalen Filmmelodien wurde beispielsweise von ihm lediglich neu bearbeitet bzw. interpretiert und geht auf das Konto von u.a. so großen Konkurrenten wie Mancini oder Morricone. Dafür enthalten die drei restlichen CDs ein breites Sammelsurium aus der Film- und Fernseh­geschichte, das mit so manchem Déjà-Vu-Erlebnis aufwarten kann. Das ist zum Teil sehr amüsant, kann aber auch z.B. bei der kompakten 15-teiligen Karl-May-Staffel zu gewissen Ermüdungserscheinungen führen, denn der mit Streichern und großem Orchester dauerhaft weichgespülten Cowboy- und Indianer-Romantik fehlt es mitunter etwas an Abwechslung. Dennoch: Böttchers Schaffens­werk, wenn auch hier immer noch bruchstückhaft wiedergegeben, hat was; selbst dann noch, wenn es einem bei so schwer gesüssten Schleichern wie „Forsthaus Falkenau” oder „Salzburg Melodie” fast schon die Inlays aus dem Gebiss zieht. Solche Sülz-Tracks sind nämlich so schmalzig, dass sie eigentlich schon wieder gut sind.

www.martin-boettcher.net