Neue Platten

Cabruêra - Proibido Cochilar

Genre: Brasil Alternative
Label:Piranha (Indigo)
CD, VÖ - 03.10.2005

Daß die Berliner Piranhas auch ein sicheres und geschmeidiges Gespür für gute alternative Musik aus Brasilien haben, wurde von ihnen bereits mit der Veröffentlichung von Cascabulhos „Hunger Gives You A Headache” eindrucksvoll bewiesen. Die verwegenen Beats aus der nordöstlichen Rumpelkammer von Südamerikas größtem Staat erwiesen sich schon damals als ein gesunder Nährboden für unkonventionell denkende Musiker. Deren Urvater, Chico Science, hatte einst alles mit seinem Mangue-Beat ins Rollen gebracht. Auf ihn berufen sich also auch Cabruêra, was so viel wie „Ziegenbande” heißt und keinen Zweifel darüber offen läßt, daß es sich bei den fünf Musikern aus Paraiba um Söhne des Untergrundes handelt. Und den trifft man dort oben fast an jeder Favela-Ecke. Die kanalisierte MPB-Strömung reicht allenfalls bis in die Wohnstuben der besser Betuchten. Im Nordosten dagegen treffen in der Regel zappeliger Forró, dreckiger Mangue-Beat, Elektro, HipHop und rockende Psycho-Rhythmen aufeinander, eine hoch-explosive Mischung, die Cabruêra perfekt in 14 mitreißende Stücke umgesetzt haben.
Perkussiv hochgradig pulsierend mit der fetten Zambumba-Drum und diversen anderen Rappelinstrumenten meißeln einem die Jungs den harten Sound der Straße ins Trommelfell, schieben den mit Akkordeon und elektrischer Gitarre noch zusätzlich an und kreiren mit dem Kugelschreiber auf Akustiksaiten einen berimbau-ähnlichen Sägesound, wie man ihn sonst wohl kaum hört.
Es ist die unnachahmliche Mischung aus landestypischer Folklore, urbaner Tanzmusik und jazzigen Passagen, die diese CD so spannend und abwechslungsreich macht. Insofern ist der Titel der CD „Proibido Conchilar” völlig überflüssig, denn einnicken kann bei diese Tour de Force eh keiner. Daß alle Musiker aus der Rock-Ecke kommen, nutzt diesem Album ebenfalls. Denn so wird vermieden, daß sich unangenehme Hitparaden-Elemente ins Gefüge schmuggeln, wenn die Band mal zu etwas moderateren Tönen übergeht.
Cabruêra brauen Hochprozentiges. Ein probates Gegenmittel zu sülziger Ipanema-Romantik und dröger Carnaval-Beschallung. Im Geiste stark verwandt mit Leuten wie Zappa oder Hendrix, fest verwurzelt aber in äquatorial-brasilianischem Querdenkertum.

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