Neue Platten

Le Noir - Vogelperspektive Vol. 3

Genre: Experimental Blues
Label: Boomslang Records
CD VÖ: - 13.07.2012

Wien und Berlin auf einer Landkarte zu orten, ist für manche zwar eine Herkulesaufgabe, sollte aber dennoch für den Rest der Bevölkerung mittels einer guten Heimatkundebildung kein Problem sein. Der Ort Bezau allerdings ist vielleicht gerade einmal eingefleischten Skifahrern ein Begriff. Bezau liegt versteckt im österreichischen Vorarlberg und ist die Heimatstadt von Alfred Vogel, der zusammen mit Simon Frick (Wien) und Lucas Dietrich (Berlin) das Dreigestirn „Le Noir“ ausmacht. Alle drei sind bekennende Bluesfans, definieren den Begriff „Blues“ aber höchst eigenwillig. Sie nähern sich dieser Musikgattung auf jeden Fall schon mal mit elektronischen Hilfsmitteln, einem Set von Spezial­effekten und Samples, einem umfangreichen Perkussionsfuhrpark, einem E-Bass sowie einer E-Violine und betrachten ihr Lieblingsgenre vorzugsweise von oben, losgelöst also von allen üblichen Konventionen. Deswegen ist „Vogelperspektive Vol. 3“ auch nur bedingt „Blues“, mehr dafür eine eigenwillige Kollage aus Noise, Elektro und Metal, verbunden mit dem schleppenden Rhythmus von Howlin’ Wulf, Robert Johnson und Co. Der erste Hördurchgang dieser CD ist harte Arbeit und erinnert streckenweise an eine Aufnahme, die William Burroughs 1989 mit Bill Laswell’s „Material“ zuwege brachte. Das ging zwar letztendlich mehr in Richtung Dub, beinhaltete aber ebenfalls Spoken-Word-Passagen, wie sie auch „Le Noir“ verwenden. Hat man sich aber erst mal an die schräge Vorgehensweise des Trios gewöhnt, erschließen sich einem ungeahnte Welten. Trotzdem: Nur etwas für experimentierfreudige Musikmenschen.

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