Neue Platten

Lionel Loueke - Heritage

Genre: Jazz
Label: Blue Note (EMI)
CD, VÖ: - 24.08.2012

Er wird als „sanfter Virtuose“ gehandelt - aber sicher nur aus der Sicht der Scheuklappen-Jazzer. Lionel Loueke aus Benin hat mit „Heritage“ ein komplexes Album eingespielt, das vor technischen Finessen nur so strotzt. Das mag für die eingefleischten Jazzheads ein gefundenes Fressen sein, für den Otto Normal­verbraucher vielleicht aber auch eine Überforderung, rasch gefolgt von Des­interesse. Loueke hat seine Skills an internationalen Hotspots erworben. National Institute of Art, Elfenbeinküste, American School of Modern Music, Paris, Berklee College of Music oder das Thelonius Monk Institute of Jazz, USA. Von diesen Kaderschmieden hat seine Karriere zweifelsfrei profitiert, die Hörbarkeit seiner Musik aber weniger. Denn das was er hier auf 10 Tracks vorstellt, ist verkopfter, hektischer Fusionjazz aus der Schublade Weather Report, Zawinul, Metheny. Wobei er die eben genannten Künstler in ihrer Perfektion noch haushoch übertrumpfen will, was zu einer maskenhaften Musik geführt hat, die zwar technisch durchaus besticht, der aber ein ergreifendes, erregendes Seelenleben abgeht. Technikfreak zu sein reicht eben nicht. Zu viele Puzzle­steine wurden hier verbaut. Eine dermaßige Verliebtheit in Komplextität und Rhythmik erreicht nur das Gegenteil von angenehmem Hörerlebnis. Vergeben auch die Chance, die afrikanischen Wurzeln hörbar zu machen. Auch sie sind ein Opfer der Technik. Gesangstechnisch ist die Sache ebenfalls höchst zweifelhaft. Louekes Kopfstimme kann kaum überzeugen, Gretchen Parlatos Einsatz kaum der Rede wert. „Heritage“ ist ein Paradebeispiel fürTrick-Jazz, der aus dem Ruder gelaufen ist.

www.lionelloueke.com

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