Neue Platten

Max Richter - Vivaldi - The Four Seasons

Genre: Klassik
Label: Deutsche Grammophon (Universal)
CD, VÖ: - 31.08.2012

Der Horror vor klassischer Musik ergibt sich oftmals aus einem Mangel an interessanten Zugängen zu diesem Kosmos. Vor allem die Jünger der Pop-Generation können davon ein Lied singen, trotz Keith Emerson und Deep Purple. Die Musik von Bach, Chopin, Strauß, Tschaikowsky oder Debussy und Konsorten repäsentiert noch immer eine Welt, die von bürgerlicher Spießigkeit geprägt ist. Da ist es eben schwer, an so etwas einigermaßen Gefallen zu finden. Insofern muss man Max Richter sehr dankbar sein, dass er sich im Rahmen der „Recomposed“-Serie an einen Hammer der klassischen Musik herangewagt hat, um daraus etwas bemerkenswert Interessantes zu machen. Vivaldis „Die vier Jahreszeiten” gehört bekanntlich zu den prominentesten Violinenkonzerten weltweit und wer hier mit einer ansprechenden Neufassung reussiert, der muss schon ein Guter sein.
Max Richter ist es tatsächlich gelungen, diesen Klassiker so aufzumöbeln, dass man seine Neuinter­pretation durchaus als Einstieg für Einsteiger empfehlen kann. Und seine Vorgehensweise ist bemerkenswert: Er griff nicht etwa auf bereits existierendes Material zurück, sondern sein Recyclingprodukt ist durch eine klassische Vor­gehens­weise entstanden. Er hat sich sozusagen in Vivaldi hineinkomponiert, hat eine eigene 175 Seiten umfassende Partitur erstellt, engagierte das Konzerthaus Kammer­orchester Berlin, den britischen Violinensolisten Daniel Hope und den Dirigent André de Ridder, erfahren sowohl mit Jazzern und Pop-Elektronikern. Der Mix aus eigenem Material, Vivaldis Urtext sowie dezente Manipulationen machen aus diesem Klassiker tatsächlich etwas Besonderes. Diese knapp 45 Minuten sollten genügen, ein sauberes Aha-Erlebnis auch für der Klassik abgewandte Zeitgenossen zu generieren. Klasse!

www.maxrichtermusic.com
www.recomposed.de
www.klassikakzente.de