Neue Platten

Warsaw Village Band - Nord

Genre: Folk
Label: Jaro Medien
CD, VÖ: - 07.09.2012

Wer nach Norden fährt, sollte sich besser warm anziehen. Und wer die Heimat der Warsaw Village Band kennt, weiß daß es in bestimmten Ecken Polens mindestens genau so frostig werden kann, wie in Skandinavien. Nicht umsonst hat der Warschauer 6er das Layout des Booklets bewußt in eisigem Blau gehalten und die Bandmitglieder sind bei niedrig stehender Sonne immer gut eingepackt.
„Nord”, das sechste Album der Band, erscheint in deren 15. Betriebsjahr und ist im Vergleich zu früheren Produktionen ein wenig zugänglicher geworden. War die Musik der Polen immer auch ein wenig sperrig und hardcore-folkig, kann man den 13 neuen Tracks wesentlich mehr gut verdaubare Aspekte abgewinnen, wenngleich auch bei dieser Produktion von weicher Pudding-Folklore natürlich auch diesmal nicht die Rede sein kann. Beispiel „Kujawiak the Fiend”: Ausladene Violinensoli, atmosphärisches Hackbrett, stampfende Perkussion, knarziger Sprechgesang - alles ist sehr homogen und mystisch inszeniert, ohne sich dem Kommerz anzubiedern. Anderes Beispiel: „Hey you, Yokel’s son”: jazzige Trompete, treibende Beats, vielstimmige, nordische Vokalharmonien - die WVB hat es geschafft, den Folk aus seiner osteuropäischen Muffelecke zu holen und ihn interessant aufzupolieren, sprich, alte Traditionen trickreich wiederzubeleben. Wir wollen hier mal ausnahmsweise die New York Times zitieren, denn die liegt mit ihrer Feststellung „This is the sound of globalization!” gar nicht mal so falsch. Erstmals kooperiert die WVB mit der schwedischen Band Hedningarna, hat für einen Titel die kanadische Indianerin Sandy Scofield mit an Bord und beschäftigt auf drei Tracks den Trompeter Milosz Gawrylkiewicz. „Nord” ist das bislang beste Album der Band.

www.warsawvillageband.net

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